Nachbarschaft

Veröffentlicht am 13.08.2019 von Sigrid Kneist

12 Bezirke, 12 Portraits. Jede Woche stellen wir in unseren Tagesspiegel-Newslettern für jeden Berliner Bezirk einen Menschen vor, der etwas bewegt in seinem Kiez. Diesmal aus Tempelhof-Schöneberg: Astrid Westhoff, Friedenau, Teilnehmerin des Bürger_innenrates, eines neuen Formats zur Bürgerbeteiligung

Warum habe ich beim Bürger_innen-Rat mitgemacht? Das Experiment, zufällig ausgewählte Friedenauer und Friedenauerinnen zu beteiligen und um Vorschläge für Friedenau zu bitten, war für mich total spannend. Das haben auch eine Reihe der anderen Teilnehmerinnen gesagt. Außerdem ist Friedenau eine lebendige Nachbarschaft mit viel bürgerschaftlichem Engagement. Ich möchte, dass das so bleibt. Aber auch in unserem Kiez gibt es nach meinem Empfinden vorhandene Mängel. Ich habe mich über die Gelegenheit gefreut, meine Vorschläge einbringen zu können.

Welche Themen in Friedenau sind mir wichtig? Da gibt es Einiges. Die Rheinstraße braucht eine neue Idee. Offenbar sind die Mieten immer teurer, und kleine Läden können sich nicht halten. Der Vergleich mit der Schlossstraße in Steglitz liegt nahe, es wäre schön, wenn auch der Abschnitt zwischen Walter-Schreiber-Platz und Innsbrucker Platz vergleichbar attraktiv wäre. Die Verkehrssituation ist unbefriedigend. Fahrradfahrerinnen haben zu wenig Platz und geben den Konkurrenzdruck an die nächst schwächere Gruppe, die Fußgänger weiter. Es ist ein Unding, wenn Fahrradwege auf Gehwegen verlaufen, besonders wenn dort auch Bushaltestellen sind. In manchen Ecken sind die Straßen nachts zu dunkel. Gerade da, wo es noch Gaslaternen gibt. Die fallen besonders häufig aus, geben nur schummriges Licht, was nicht zielgerichtet die Gehwege beleuchtet.

Ein Thema für mich ist auch die Kleingartenanlage zwischen Südkreuz und Priesterweg. Sie ist für Gehbehinderte nicht gut zugänglich, je nachdem welche Schrebergärten besucht werden sollen. Es ist kaum möglich, dorthin an bestimmte Stellen ein Taxi zu bestellen, weil es keine richtige Adressen gibt, die in einem Taxinavi vorkommen. Im Winter findet man dort viel sinnlosen Vandalismus. Einem alten Ehepaar in meiner Nähe wurde die Laube abgefackelt. Sie konnten sie seit einem Jahr nicht wiederaufbauen, es fehlen die Kraft und die Handwerker, die es machen würden. Da ist alten Menschen viel Lebensfreude auf ihre späten Tage zerstört und genommen worden.

Wie wurde diskutiert? Es hat mich beeindruckt, wie fair und offen die Teilnehmerinnen sich gegenseitig zugehört haben. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und nach und nach gemeinsam getragene Vorschläge entwickelt.

Welche Ergebnisse sind mir wichtig? Wir haben gemeinsam zehn Hauptthemenfelder erarbeitet. Da kommen die Rheinstraße und die Friedenauer Höhe vor, aber auch die Situation der sehr alten Menschen in unserem Kiez. Die Verkehrssituation und das Miteinander sind genauso dabei wie die schlichte Forderung, dass wir mehr öffentliche Toiletten brauchen, möglichst kostenfrei, damit sie auch von denen benutzt werden können, die sich sonst vielleicht irgendeine Ecke suchen würden. – Foto: Michael Eule

Die Ergebnisse des Bürger_innenrates werden am Mittwoch, 14. August, um 18 Uhr in der Seniorenfreizeitstätte (Stierstraße 20A) der Öffentlichkeit präsentiert.
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de
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Diesen Text von Sigrid Kneist haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg entnommen. Unseren – kompletten – Bezirksnewsletter gibt’s unkompliziert und kostenlos hier unter leute.tagesspiegel.de. Wir freuen uns auf Sie!

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