Nachbarschaft

Veröffentlicht am 25.02.2020 von Sigrid Kneist

Matthias Steuckardt, CDU, seit der vergangenen Woche Stadtrat für Bildung, Kultur, Soziales

Am Mittwoch wurde der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung, Matthias Steuckardt, zum Stadtrat für Bildung, Kultur, Soziales gewählt und anschließend vom BVV-Vorsteher Stefan Böltes vereidigt (Foto: Bezirksamt). Fun Fact am Rande: Der neue Stadtrat trug bei seiner Vereidigung rote Socken; Hinweise auf eine neu ausgelegte gleichnamige Kampagne der Union, wie es sie in den Neunzigern gab, sind bei ihm aber nicht zu erkennen. Zweites Schmankerl: Gewählt wurde er mit Stimmzetteln, deren Ja-/Nein-/Enthaltungskästchen die SPD-Fraktionschefin Marijke Höppner nach einer kleinen organisatorischen Konfusion gezeichnet hatte. Steuckardt erhielt 30 der insgesamt 52 Stimmen – bei 12 Neinstimmen und zehn Enthaltungen. Der neue Stadtrat, der seit 2011 in der Bezirkspolitik aktiv ist, hat mir einige Fragen zu seiner politischen Herkunft und seinen Vorhaben beantwortet.

Was hat Sie zur CDU und in die Politik gebracht? Geboren wurde ich in Thüringen und habe die politische Wende 1989/90 als Zehnjähriger sehr intensiv miterlebt. Die prägende Figur damals war Helmut Kohl, und für jeden war spürbar, dass entschlossene Menschen die Welt verändern können. Deswegen habe ich bereits in der dritten oder vierten Klasse für die Allianz für Deutschland und später für die CDU Plakate gebastelt und Aufkleber verteilt. So entstand eine Leidenschaft, die mich bis heute anspornt.

Was waren bislang Ihre Schwerpunkte? Als neuer Bezirksverordneter wurde ich 2011 umgehend zum Vorsitzenden des Ausschusses für Frauen-, Queer- und Inklusionspolitik gewählt. Ich habe diese Funktion bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2016 gern ausgefüllt. Inklusion, also die Teilhabe behinderter Menschen, ist für mich ein Gradmesser für die Empathie einer Gesellschaft und wurde mir in dieser Zeit zum Herzensanliegen. Seit 2012 war ich Sprecher der CDU-Fraktion für Bildung, Kultur und Bibliotheken. Diese Funktion war mir so wichtig, dass ich sie auch beibehalten habe, als ich 2016 zum Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde.

Sie haben zuletzt im Bundestagsbüro des CDU-Abgeordneten Jan-Marco Luczak gearbeitet und waren Fraktionsvorsitzender der CDU in der BVV. Was fanden Sie denn spannender: die Bundes – oder die Kommunalpolitik? Jan-Marco Luczak ist nicht nur Rechts- und Bundespolitiker, sondern wurde von den Menschen in Tempelhof-Schöneberg dreimal in Folge direkt gewählt. Viele wenden sich daher mit Fragen, Sorgen oder Nöten an ihren Bundestagsabgeordneten. Als Büroleiter hatte ich natürlich Einfluss auf die Verteilung der Arbeit und habe mich dieser Vorgänge häufig selbst angenommen. Es gab zahlreiche Beschwerden über die Zustände vor Ort und häufig konkrete Anregungen für Verbesserungen – insofern konnte ich auch im Bundestag meiner Leidenschaft für Kommunalpolitik nachgehen. Bei wegweisenden Entscheidungen, wie der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, musste die Kommunalpolitik aber auch mal hintenanstehen, das gebe ich gern zu. Bei dem Thema kann ich übrigens sagen, dass beide CDU-Abgeordnete – Jan-Marco Luczak und zuvor Kristina Schröder – , für die ich in meinen zehn Jahren im Bundestag gearbeitet habe, mit „Ja“ gestimmt haben.

Welches Projekt möchten Sie in den letzten gut anderthalb Jahren der Legislaturperiode noch unbedingt anschieben? Tempelhof-Schöneberg ist auf dem besten Wege wieder der Kulturbezirk Berlins zu werden, diesen Prozess werde ich als Kulturstadtrat nach Kräften fördern. Natürlich habe ich einige Ideen, die ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten werde. Wenn Sie so wollen, ist das die Kür. Die Pflicht sind die Eröffnung der Kultureinrichtungen in der Alten Mälzerei in Lichtenrade sowie die positive Begleitung eines Prozesses hin zu einem sogenannten Kulturbaustein im Rahmen der Neuen Mitte Tempelhof. Darüber hinaus möchte ich viel vor Ort sein, beispielsweise in unseren Seniorenfreizeitstätten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Die Sitzordnung des Bezirksamtes im BVV-Saal ist schon ein wenig speziell. Aus der Sicht des Bezirksverordnetenvorstehers sitzen die Bezirksamtsmitglieder von SPD und Grüne zusammen auf der linken Seite, sie alleine auf der rechten. Fühlt man sich da nicht ausgeschlossen? Nein, absolut nicht. Ich wurde im Bezirksamt sehr herzlich empfangen, und trotzdem sitze ich lieber in der Nähe meiner Freunde der CDU-Fraktion. Außerdem habe ich da genügend Tischfläche für meine Unterlagen; und im Bundestag wäre das der Stuhl der Kanzlerin – also der mit Abstand beste Platz im Saal. Nach der nächsten Wahl stellt die CDU wieder zwei Stadträte, da bin ich sicher und teile den Tisch dann gern.

In einem Satz: Was ist das Besondere an Tempelhof-Schöneberg? Die Vielfalt der Menschen, die hier leben. Das ehrenamtliche Engagement beispielsweise reicht von der „Berliner Aids-Hilfe“ ganz im Norden des Bezirks bis hin zum „Ländlichen Reiterverein Lichtenrade“ ganz im Süden – das finde ich großartig.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de