Nachbarschaft

Veröffentlicht am 14.04.2020 von Sigrid Kneist

Hagen Kliem, Bezirksverordneter für die CDU und Taxifahrer, Lichtenrade

Eins ist in diesen Tagen selbstverständlich: der Griff zum Desinfektionsmittel. Sobald ein Fahrgast das Taxi verlassen hat, greift Hagen Kliem zur Flasche und reinigt sorgfältig die Kontaktflächen. Kliem ist mit seinem Wagen auch in diesen Tagen unterwegs, vor allem in Lichtenrade. Dort ist er fest verwurzelt, dort lebt der 63-Jährige seit seiner Kindheit. „Ich habe das große Glück, viele Stammfahrgäste zu haben“, sagt Kliem. Und diese vertrauen auf ihn, den ihnen bekannten Fahrer. Die meisten der Kunden sind darauf angewiesen, auch jetzt ein Taxi nutzen zu können: Sie müssen regelmäßig zu Therapien und Behandlungen in Krankenhäusern. Es sind nicht viele Kunden, aber jeweils „mit Hin- und Rückfahrt ist das schon okay“, sagt Kliem. Die Fahrgäste tragen einen Mund-/Naseschutz, er selber beim Autofahren nicht.

Als Solounternehmer unterwegs. Kliem begann 1980 als Taxifahrer, als er Jura an der Freien Universität studierte. „Damals fuhr man entweder Taxi, oder man kellnerte, um neben dem Studium Geld zu verdienen“, sagt er. Die Juristerei gab er schließlich auf, beim Taxifahren blieb er. Kliem ist selbstständig, fährt seinen eigenen Wagen, kann sich die Zeit einteilen. Momentan ist das aber ohnehin nicht das Problem; denn das Taxigeschäft ist derzeit komplett eingebrochen. „Niemand muss mehr zum Flughafen“, sagt Kliem. Oder eilig zu einem wichtigen Termin. Und abends Ausgehen ist zurzeit ebenfalls unmöglich. Es gibt kein Nachtleben. Jetzt hätte er eigentlich noch mehr Zeit für sein ehrenamtliches Engagement in der Bezirkspolitik, wenn nicht auch dort die Aktivitäten derzeit wegen der Corona-Pandemie heruntergefahren wären. Seit 2011 gehört Kliem für die CDU der Bezirksverordnetenversammlung an, zuvor war er fünf Jahre lang Bürgerdeputierter. Er leitet den Wirtschaftsausschuss der BVV.

Kooperation mit der BVG. Kliem sorgt sich derzeit vor allem um seine Kollegen, die sonst für die größeren Taxiunternehmen fahren. Inzwischen hätten die Betriebe aber viele ihrer Fahrzeuge abgestellt; es lohne sich nicht zu fahren, da es keine Kunden gebe. Kreative Ideen seien jetzt gefragt, sagt Kliem. Er freut sich, dass in der „Branche jetzt über Lieferdienste und Einkaufsfahrten für Menschen in Quarantäne nachgedacht wird“. Und er hat auch noch eine andere Idee: Kliem erinnert daran, dass in den achtziger Jahren Taxis in der Nahct auf bestimmten Strecken im Auftrag der BVG – etwa zwischen Alt-Buckow und Rudow – unterwegs waren. Man könne doch eine solche Zusammenarbeit wieder aufleben lassen. cdu-fraktion-tempelhof-schoeneberg.de

Foto: privat, Text: Sigrid Kneist

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