Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.06.2020 von Sigrid Kneist

Norbi Wohlan (59), Lichtenrade, organisiert Musik für Senioren und Schlagerkonzerte

Seit wann machen Sie Musik für Senioren? Seit rund 15 Jahren bin ich in der Seniorenunterhaltung tätig, organisiere musikalische Tagesfahrten, den alljährlichen Song-Contest für Senioren (Oldie-Super-Star 60 +), bin interaktiv in Pflegeeinrichtungen, Seniorenresidenzen, Seniorenfreizeitstätten oder für Familienfeiern mit meinem Schlagerprogramm als Entertainer, DJ und Moderator unterwegs. Wie es dazu kam? Meine persönliche Situation brachte mich damals dazu, neue Wege zu gehen. Ich hatte vorher schon hobbymäßig als DJ gearbeitet. Von der Arosa-Flußkreuzfahrtgesellschaft bekam ich dann das Angebot, einige Monate als Entertainer das Publikum „50 plus“ zu unterhalten.

Wie kamen Sie jetzt auf die Idee, Hofkonzerte zu veranstalten? Da in Coronazeiten für uns Musiker alle Aufträge erst einmal weggebrochen sind, und ich zu 70 Prozent in Senioreneinrichtungen unterwegs bin, konnten mein interaktives Programm und der direkte Kontakt zu meinen Senioren nicht stattfinden. Besuche waren nicht erlaubt, und so kam ich auf die Idee, für die Senioreneinrichtungen, die mich regelmäßig buchen, als Dankeschön diese Benefizhofkonzerte anzubieten.

Wie laufen die ab? Normalerweise arbeite ich interaktiv mit meinen Senioren: Ich hole Sie während meines Programmes zum Tanzen, wir machen Polonaisen, und ich beziehe die Menschen mit meinen Liedern und Geschichten ins Programm ein. Jetzt ist es so, dass die Senioren auf Ihren Balkonen sitzen oder mit Abstand im Hof, um meinem Konzert zu lauschen.

Welche Reaktionen erhalten Sie von den Senioren? Die sind überwältigend. Manchmal fehlt mir in dieser Zeit das „in den Arm nehmen“ sehr. Erst vor Kurzem passierte es, dass wildfremde Menschen vor dem Seniorenwohnhaus auf der Straße tanzten, Autos hielten an und hupten vor Freude. Die Solidarität ist auch da ganz groß: Ein Nachbar gegenüber des Seniorenwohnhauses steckte mir während des Konzertes sogar einen 100-Euro-Schein in die Tasche, ich bemerkte es aber erst nach dem Konzert. Als Dankeschön steckte ich ihm meine signierte CD und eine Autogrammkarte in den Briefkasten.

Was ist „Careship“, und warum engagieren Sie sich dort? Careship vermittelt Alltagshelfer aus der Nachbarschaft. Ich engagiere mich deshalb, weil in der heutigen Zeit viele Senioren sich alleingelassen fühlen, Hilfe und Unterstützung im Alltag brauchen. Das kann ein Pflegedienst aus zeitlichen Gründen gar nicht leisten. Wir unterstützen im Haushalt, bei Einkäufen, bei Arztbesuchen, bei Spaziergängen oder leisten einfach bei einer Tasse Kaffee Gesellschaft, denn die Einsamkeit und der Redebedarf bei älteren Menschen sind enorm groß.

Über die Angebote von Careship, die Arbeit der Alltagshelfer und die Kosten können Sie sich hier informieren: careship.de. Bei Careship lernte Norbi Wohlan auch Cindy Berger kennen, die früher vor allem in den siebziger Jahren in dem Schlagerduo Cindy & Bert erfolgreich unterwegs war – größter Hit damals: „Immer wieder sonntags“. Auch sie ist dort als Alltagshelferin engagiert. Die beiden haben jetzt gemeinsam den Titel „Musik öffnet Herzen“ aufgenommen, den Sie hier hören können: youtube.com. Pflegeheime können sich unter 0177 6 27 78 54 an Norbi Wohlan wenden. norbi-schlager.de

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de