Nachbarschaft

Veröffentlicht am 02.02.2021 von Sigrid Kneist

Gaby Papenburg, Mitglied beim Schöneberger Verein Polar Pinguin, ehemalige Bundesliga-Moderatorin und Kandidatin für das Amt der Präsidentin beim Berliner Fußball-Verband

Kick it. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) ist eine ziemlich männlich dominierte Angelegenheit. Dem Präsidium gehört derzeit nur eine einzige Frau an. Welchen Bereich sie wohl vertritt? Richtig, Frauen und Mädchen – nicht verwunderlich angesichts der Besetzung des zwölfköpfigen Gremiums. An der Spitze des Verbands gab es in den vergangenen 17 Jahren keine Veränderung. Seit dem Jahr 2004 führt Bernd Schultz vom BFC Alemannia 1890 den BFV an; er wird sich beim Verbandstag im Juni wieder zur Wahl stellen. Aber es gibt eine weitere prominente Kandidatin: Gaby Papenburg, langjährige Moderatorin der Sat 1-Bundesliga-Sendung „ran“ und damit ausgewiesene Fachfrau für das Thema Fußball, bewirbt sich ebenfalls um das Präsidentenamt beim BFV.

Lust auf Verantwortung. „Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern für etwas Neues“, sagt Papenburg zu ihrer Motivation, verkrustete Strukturen aufzubrechen und andere, neue Wege zu gehen. Tatsächlich sei sie von mehreren Vereinsvorsitzenden gefragt worden, ob sie nicht kandidieren möge. Und sie konnte es sich vorstellen, Verantwortung im Verbandsbereich und dazu eine aktive Rolle auf der Entscheidungsebene zu übernehmen.

Eintritt bei Polar Pinguin. Dabei hat die 60-Jährige bisher selber keine Erfahrungen im Berliner Vereins- und Verbandswesen, gehörte keinem Club an. Ihr fehle der Stallgeruch, der in Verbänden wie auch in der Politik sonst üblich ist, sagt sie. Doch sie hält das nicht für einen Nachteil: „So kann ich viel unvoreingenommener an die Dinge herangehen.“ Dennoch suchte sie sich für ihre Kandidatur einen Club und trat zum Jahresanfang dem Schöneberger Fußballverein „Polar Pinguin“ bei. „Der war mir sofort sympathisch“, sagt Gaby Papenburg, die seit 1998 in mit ihrer fußballbegeisterten Familie in Zehlendorf lebt. Ihr Mann und die Söhne waren sehr schnell bei Hertha Zehlendorf untergekommen.

Gegründet vor rund 30 Jahren. „Polar Pinguin“ sei ein moderner, fortschrittlicher Verein, sagt Gaby Papenburg. Frauenförderung und Gleichstellung etwa seien dort schon lange verankert. Das passte gut: Die Pinguine sind in der Tat kein ganz normaler Verein. Sie sind vergleichsweise jung und starteten im Jahr 1990 als Freizeitkickertruppe – quasi als Thekenmannschaft des „Pinguin Clubs“, der legendären Bar in der Wartburgstraße. Dieser sei „der Brutkasten der Pinguine und gleichzeitiger Namensgeber“ gewesen, schreibt der Verein auf seiner Website. Zunächst spielten die Mitglieder in Freizeitligen. Erst seit 2015 gehört „Polar Pinguin“ dem Fußballverband an und spielt seitdem im Wettkampf-Ligabetrieb. In dieser kurzen Zeit hat sich der Verein sportlich rasant und erfolgreich entwickelt und sich mit seiner ersten Mannschaft in der vergangenen Saison in die Landesliga gekickt. Obwohl die Pinguine eigentlich in Schöneberg zu Hause sind, spielen sie auf der Mariendorfer Anlage an der Markgrafenstraße, ihrer „Polarena“. Seit dem Lockdown ruht natürlich auch hier der Spielbetrieb.

Was tun gegen die Zwangspause? Es ist ein Thema, das Gaby Papenburg zu schaffen macht. „Nichts läuft zurzeit im Amateurfußball. Da ruht sich der Verband auf den politischen Entscheidungen aus“, sagt sie. In einer solchen Situation sei auch Kreativität gefragt. Zwar könne man nicht spielen, aber es gebe doch auch andere Möglichkeiten, als Verein aktiv zu werden. Sie berichtet von einem Klub, der in dieser Zeit einen großen Raum einer Halle, in der momentan kein Sport stattfinden kann, für Hausaufgabenhilfe nutzen wollte. Das Sportamt habe darauf verwiesen, dass der Raum für eine Yogagruppe vorgesehen sei, die sich aber auch nicht treffen darf. Damit war das Thema durch. „In solchen Fällen könnte man viel mehr tun“, sagt Journalistin.

Mädchen und Fußball. Selber hat Papenburg übrigens nie Fußball gespielt. Als sie zur Schule ging, sei das überhaupt kein Thema gewesen. Mädchen spielten damals in den sechziger und siebziger Jahren Volleyball, Basketball, sogar Handball, wo es ja bisweilen rau zur Sache geht. Fußball wurde für sie nicht angeboten. Papenburg war in ihrer Jugend Leistungsschwimmerin. Die mangelnde Spielpraxis hat sie für sich als Fußballmoderatorin nicht als Problem angesehen, auch bei den bekannten männlichen Kollegen gebe es schließlich manche, die nicht gekickt hätten. Im Gegensatz zu ihnen musste sich Papenburg als Frau jedoch ständig die Frage anhören, „ob ich was von Fußball verstehe“.

Die Kandidatin und ihr Team. Ihre Kandidatur zieht Papenburg nicht im Alleingang durch: „Ich bin durch und durch Teamplayer“, sagt sie, setzt auf den Sachverstand sowie die Erfahrung bekannter Vereinsvorsitzender und anderer Sportexperten. Aus dem bisherigen BVV-Präsidium weiß sie Jörg Wehling an ihrer Seite. Zu den Unterstützern gehört auch Gerd Thomas, Vorsitzender des ebenfalls jungen, fortschrittlichen Schöneberger Vereins „FC Internationale“. Thomas schreibt zu Papenburgs Kandidatur auf Facebook: „Es geht nur zusammen, da sind wir uns alle einig. Mag für einige ungewöhnlich sein, aber wir können den Berliner Fußball nur gemeinsam nach vorne bringen. Und ich bin zuversichtlich, dass das gelingen wird.“

Foto: Sven Darmer

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