Nachbarschaft

Veröffentlicht am 04.05.2021 von Sigrid Kneist

Saskia Ellenbeck, 37, Kandidatin der Grünen für das Amt der Verkehrsstadträtin bei der Wahl zur BVV.

Das Ergebnis der Kandidatinnenkür bei den Grünen in Tempelhof-Schöneberg war eindeutig. Auf dem Listenplatz 1 für die Bezirksverordnetenversammlung steht eine Newcomerin im Bezirk. Bei der Mitgliedervollversammlung am vergangenen Sonntag auf der Trabrennbahn Mariendorf setzte sich Saskia Ellenbeck in einer Kampfkandidatur mit gut 70 Prozent der Stimmen klar gegen Christiane Heiß, die bisherige Stadträtin für Bürgerdienste, Ordnung, Verkehr und Grünflächen, durch. Eine Konsequenz aus der Unzufriedenheit in der Partei über Heiß’ Amtsführung und die Tatsache, dass im Bezirk die Umsetzung der Verkehrswende und die Realisierung neuer Radwege nur langsam voran kamen.

Der erste Platz ist für die Frauen. Damit ist die 37-Jährige, die bisher beim ADFC-Bundesvorstand die Bereiche Wissensmanagement und zentrale Prozesse leitet, auch die Kandidatin für das Amt der Verkehrsstadträtin, sollten es die Grünen nach der Wahl für sich beanspruchen können. Der erste Listenplatz ist bei der Partei traditionell den Frauen vorbehalten. Der Kandidat für das Bürgermeisteramt, der bisherige Baustadtrat Jörn Oltmann, wurde erwartungsgemäß für den zweiten Platz nominiert.

Nicht aus dem Bezirk. Ellenbeck, die usprünglich aus Aachen stammt und jetzt mit ihrer Familie im Nachbarbezirk Neukölln lebt, studierte Politologie und Ökonomie, arbeitete unter anderem als Büroleiterin in der Grünen-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, seit 2017 beim ADFC. Vor einigen Monaten kam sie in Kontakt mit Vertretern der hiesigen Grünen, die auf der Suche nach einer geeigneten Kandidatin waren. Ellenbeck konnte es sich vorstellen, in die Bezirkspolitik zu wechseln, und entschloss sich zu einer Kandidatur. Die Mobilitätswende ist für sie ein zentrales Element, mit dem auf kommunaler Ebene Klimaschutzpolitik gestaltet werden kann. „Die Voraussetzungen in Berlin sind gut. Es gibt einen großen Rückhalt für die Verkehrswende, und wir haben das Mobilitätsgesetz“, sagt Ellenbeck.

Projekte schneller umsetzen. Das ist ihr ein besonderes Anliegen. Deshalb setzt sie darauf, vorhandene Verkehrsflächen anders und besser zu nutzen, statt die Stadt umzubauen. „Sobald Tiefbauarbeiten notwendig sind, werden Maßnahmen teuer, planungsaufwändig und langwierig“, sagt Ellenbeck. Das bedeutet unter anderem, dass Flächen, die bisher für den Autoverkehr zur Verfügung stehen, für eine sichere Radinfrastruktur genutzt werden müssen. Dazu gehört auch, dass Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorrangig auf der Straße und nicht auf den Gehwegen realisiert werden sollen. Maßnahmen für den Radverkehr zulasten der  Fußgänger umzusetzen, gehe nicht: „Radverkehr und Fußgängerverkehr dürfen sich nicht kannibalisieren“, sagt Ellenbeck. Kiezblocks – ein Konzept von städtischen Quartieren ohne Durchgangsverkehr  – ist ein Thema, was sie im Gespräch mit Initiativen, Anwohnern und Einzelhändlern bereits im ersten Jahr vorantreiben möchte. Hier gebe es schon viele tolle Ideen, an die sie anknüpfen möchte. Wichtig sei immer, dass Anwohner und Gewerbetreibende frühzeitig informiert und einbezogen würden.

Was ist mit dem Tempelhofer Damm? Die jetzt  entstandenen Radwege, die für die Zeit während der Bauarbeiten an der U6 bis Oktober eingerichtet sind, seien eine große Verbesserung im Vergleich zu vorher. „Es ist klar, dass wir nach dem Oktober dahinter nicht wieder zurückfallen dürfen und der Verkehrsversuch sich sofort anschließen muss“, sagt die Grünen-Kandidatin. Mit dem Verkehrsversuch ist das schon lange geplante Projekt geschützter Radspuren zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinstraße gemeint. Zunächst müsse auch der einfache jetzt bestehende Radweg nach Alt-Mariendorf weitergeführt werden. „Am Tempelhofer Damm hat sich jetzt gezeigt, dass auch auf solchen Hauptverkehrsstraßen Pop-Up-Radwege möglich sind.“

Initiative für den Stadtrand. Auch im südlichen Teil des Bezirks, der bei Verkehrsprojekten gerne einmal vergessen wird, lassen sich laut Ellenbeck Vorhaben der Verkehrswende vergleichsweise schnell umsetzen. Man müsse auch Routen beispielsweise aus Lichtenrade oder Marienfelde für Pendler mit dem Fahrrad attraktiv machen. Die Verkaufszahlen für Pedelecs seien stark gestiegen, so dass auch mehr Menschen lange Strecken zum Arbeitsplatz mit dem Fahrrad bewältigen könnten. „Auf diesen Straßen gibt es oft nur handtuchbreite Radwege“, sagt Ellenbeck. Diese seien nicht mehr zeitgemäß. dafür seien aber die Straßen breit und der Parkdruck in der Regel nicht so hoch wie in der Innenstadt, so dass man diese leichter leichter auch für den Radverkehr umbauen könne.

Die Bewerbung Elllenbecks bei den Grünen können Sie hier nachlesen: gruene-ts.de. Wer noch alles auf der Liste für die Bezirksverordnetenversammlung steht, erfahren Sie hier: gruene-ts.de. Foto: Privat

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