Nachbarschaft
Veröffentlicht am 25.01.2022 von Sigrid Kneist
Jasmin (links) und Lara, Schülerinnen der siebten Klasse der Johanna-Eck-Schule
Ein beeindruckender Dialog. Vorigen Donnerstag war die Vernissage zur Sophie-Scholl-Ausstellung der Stiftung Weiße Rose in der Tempelhofer Johanna-Eck-Schule. Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse präsentierten bei der Veranstaltung einen fiktiven Dialog zwischen Sophie Scholl und Johanna Eck, der Namensgeberin der Schule. Es war das Highlight der Themenwochen „Johanna trifft Sophie“-Schule. Und wie Verwaltungsleiter Axel Jürs – der uns sonst im Online-Tagebuch am Schulalltag teilhaben lässt – schreibt, waren auch die Ausstellungsgäste, unter anderem der Weihbischof des Erzbistums Berlin, Matthias Heinrich, und Oberschulrat Matthias Goldbeck-Löwe beeindruckt. Dieser Dialog wird noch zu weiteren geeigneten Anlässen präsentiert, auch zum Holocaust-Gedenktag. Hier erzählen Jasmin und Lara, zwei Sprecherinnen der Präsentationen, unter anderem, was sie an Sophie Scholl und Johanna Eck beeindruckt hat.
Wann habt ihr etwas darüber gelernt, wer Johanna Eck, die Namensgeberin Eurer Schule, ist?
Jasmin (sprach Sophie): Ich wurde schon beim Anmeldegespräch für die siebten Klassen vom Schulleiter gefragt, ob ich weiß, wer Johanna Eck ist. Das wusste ich, weil ich mich auf das Gespräch vorbereitet hatte.
Lara (sprach Johanna): Mein Bruder ging auf die Johanna, deswegen kannte ich den Namen Johanna Eck und ihre Geschichte schon, bevor ich für die siebten Klasse angenommen wurde. Deshalb wusste ich auch, dass sie 1973 als ‚Gerechte unter den Völkern‘ geehrt wurde – und was das bedeutet.
Wird das immer wieder mal im Unterricht thematisiert?
Lara: Ja, aber wie und wann, das kann von Klasse zu Klasse unterschiedlich sein. Die einen sprechen vielleicht im Deutsch- oder GeWi-Unterricht (Gesellschaftswissenschaften) über Johanna Eck und ihre Zeit, andere im notenfreien Jahrgangs-Profilfach, das heißt in den siebten Klassen ‚Glück‘. Auch in Ethik ist Johanna Eck interessant.
Was hat euch an Sophie Scholl und Johanna Eck am meisten beeindruckt?
Jasmin: Drei Dinge: Wie unterschiedlich ihr Glaube die beiden leitete, wie unterschiedlich sie aktiv wurden und wie unterschiedlich die Konsequenzen daraus für sie waren. Und dass beide so krass mutig waren.
Lara: Und bei Sophie, dass sie anfangs noch begeistert davon war, wie sehr die Nazis um die Jugendlichen geworben haben, dann sah sie aber die Menschenverachtung und Unmenschlichkeit und lehnte sie ab.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Sophie Scholl und Johanna Eck in einen Dialog treten zu lassen?
Jasmin: Wir wollten gerne in den Themenwochen „Johanna trifft Sophie“ etwas machen, was eine Verbindung zwischen beiden schafft. Sie kannten sich zwar nicht, aber sie hätten sich doch begegnen können.
Worüber lasst ihr die beiden sprechen?
Jasmin: Wir stellen uns vor, dass Sophie 1942 nach Berlin kommt, für ein geheimes Treffen von der ‚Weißen Rose‘ mit einer anderen Widerstandsgruppe. Weil sie hinfällt, geht sie in eine Erste-Hilfe Station. Dort trifft sie auf eine nette ältere Krankenschwester: Johanna Eck. Sophie rutscht dann unbemerkt ein Flugblatt gegen die Nazis aus der Tasche. Johanna hebt es auf und warnt Sophie: „Es kommen auch wieder andere Zeiten. Aber wenn wir die erleben wollen, müssen wir vorsichtig sein!“
Lara: Wir wissen ja, dass Sophie entdeckt und hingerichtet wurde. Deshalb hat der Dialog auch kein Happy End. Man soll sich aber doch vorstellen können, dass auch Sophie die Zeit nach den Nazis erlebt hätte. Vielleicht wäre sie ja auch mal nach Berlin gereist. Und dann hätten sie sich doch noch treffen können.
Was können wir alle von Sophie Scholl und Johanna Eck lernen?
Jasmin: Von Johanna bestimmt, dass man keine Heldin oder Held sein muss, um mutig für Mitmenschen zu handeln – und auch, dass man sich selbst Gutes tut, wenn man anderen Gutes tut.
Lara: Und von Sophie können wir lernen, finde ich, dass man immer überlegen soll, ob man die richtigen Ziele hat; und dass man Ansichten auch mutig ändern kann, wenn man entdeckt, dass sie falsch sind.
Eine Frage noch zur aktuellen Schulsituation: Wie geht es euch in der Pandemie mit der Schule?
Jasmin: Naja, die Corona-Regeln nerven schon; ich finde aber gut, dass wir an der Johanna immer vorsichtiger sind als verlangt. Man versteht und behält die Regeln besser, wenn sie sich nicht andauernd ändern. Da könnten Politiker vielleicht sogar was von der Johanna lernen. Und echt jetzt: Johanna gab auch Zuversicht. Im Vergleich zu ihrem Alltag sind wir doch locker dran!
Lara: Stimmt. Erwachsene, die uns in der Pandemiezeit besuchen, staunen oft, wie gut das bei uns funktioniert: dass wir eben die Masken nicht nur für uns selbst, sondern auch für die anderen tragen, also ohne Gejammer. Da kommt mir eine Idee: Was Johanna Eck und Sophie Scholl wohl heute über das Thema Freiheit zu Menschen gesagt hätten, die dauernd Freiheiten bedroht sehen?
- Die 95 vorangegangenen Folgen des Online-Tagebuchs lesen Sie hier. Die Ausstellung ist extern zugänglich. Anmeldung: sekretariat@johanna-eck.schule.berlin.de
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