Nachbarschaft

Veröffentlicht am 05.12.2023 von Sigrid Kneist

Andrea Thurmann, Präventionsbeauftragte des Polizeiabschnitts 41 in Schöneberg

Arbeiten in der Gefahrenzone. In einem Monat geht das Jahr zu Ende. Der Einsatz zu Silvester stellt Polizei, Feuerwehr und die Rettungsdienste stets vor besondere Herausforderungen. An besonderen Brennpunkten ist es ein Arbeiten in der Gefahrenzone. Den Jahreswechsel 2022/23 wird die Polizistin Janina Filthuth nicht vergessen. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die Polizeiobermeisterin im Streifendienst im Abschnitt 41, der für Schöneberg zuständig ist.

Böller und Kugelbomben. In der Silvesternacht war sie mit ihren Streifenwagenkollegen am Kleistpark unterwegs. Dort gerieten sie „massiv unter Beschuss“, sagte Filthuth am Mittwochabend im Rathaus Schöneberg. Von allen Seiten seien sie mit Böllern, anderer Pyrotechnik und auch sogenannten Kugelbomben beworfen worden. Die Rauchentwicklung sei enorm gewesen, dass man sich kaum noch orientieren konnte. Filthuth und ihren Kollegen blieb nur der Rückzug. „Ich wurde verletzt und hatte ein großes Hämatom am Unterschenkel.“ Eine Kollegin traf es noch härter. Sie war drei Monate lang dienstunfähig.

Dank des Bezirks. Die Polizistin schilderte ihre Erlebnisse bei einer Veranstaltung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg. Insbesondere aufgrund dieser Vorfälle in der Silvesternacht vor einem Jahr wollte Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grünen) ein Zeichen der Zivilgesellschaft setzen, auf die schwierige, oft gefährliche Arbeit der Menschen in Uniform hinweisen und für ihren Einsatz danken. Zu der Feierstunde im Willy-Brandt-Saal waren Beschäftigte und Vertreter der vier im Bezirk ansässigen Polizeiabschnitte, der vier Feuerwehrwachen und der Rettungsdienste gekommen.

Nicht nur zu Silvester kommt es vor, dass Polizisten, Feuerwehrleute oder Sanitäter aus Gruppen heraus attackiert und bedrängt werden. Aber gerade in der Nacht zu Neujahr – und auch zu Halloween – passiert es in bestimmten Brennpunktgegenden in Berlin regelmäßig. Berichtet wurde auch, dass die Feuerwehr manchmal bewusst über eine Alarmierung in den Hinterhalt gelockt wird, um entweder die Mitarbeiter zu attackieren oder auch Ausrüstung zu stehlen.

Eins der Brennpunktgebiete ist der Kiez um Pallas- und Steinmetzstraße. Dort galt in den vergangenen Jahren ein Böllerverbot. Der Kleistpark zählte nicht dazu. Heftige, brutale Attacken gegen Einsatzkräfte gab es aber in der letzten Neujahrsnacht auch in der Großsiedlung an der Nahariyastraße in Lichtenrade. Derzeit laufen die Abstimmungen mit Polizei, Feuerwehr und Senatsinnenverwaltung, wo es in diesem Jahre Verbotszonen geben wird. Nach ersten Überlegungen könnte auch die Nahariyastraße dazugehören.

Vorbeugend tätig. Andrea Thurmann ist Präventionsbeauftragte beim Polizeiabschnitt 41. Sie berichtete von ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Schöneberg Nord. Dazu gehörte auch eine Infoveranstaltung gemeinsam mit der Feuerwehr. Bei dieser wurde auch demonstriert, welche Schäden und Verletzungen legale und illegale Feuerwerks- und Böllersprengstoffe an extra gebastelten Kunsthänden anrichten können. Die Vorführung hinterließ Eindruck. Diese Wucht hatten sich einige der jugendlichen und erwachsenen Besucher so nicht vorstellen können. „Es wird einen harten Kern geben, den wir nicht erreichen können“, sagte Thurmann. „Aber vielleicht können wir beim Umfeld und den Familien etwas bewirken.“

Wünsche für die Zukunft. Man hoffe sehr, „dass Aufklärung und Prävention Früchte tragen“, sagte Branddirektorin Kathrin Richter, zuständig für die Feuerwehr unter anderem in Tempelhof-Schöneberg. „Wir wünschen uns ein friedliches Miteinander“, sagte Polizeiobermeisterin Filthuth. „Auch wir sind verletzbar, haben Familie, die sich wünscht, dass wir nach einem Einsatz ohne Blessuren wieder nach Hause kommen, physisch wie auch mental.“ – Fotos: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg