Nachbarschaft

Veröffentlicht am 27.05.2025 von Nora Tschepe-Wiesinger

Fotoausstellung: Verdrängung und Freiheit im Osten Berlins. Ein Einkaufswagen, der überquillt: voll mit einem Bettlaken, den Resten einer Schaumstoffmatratze, dahinter eine Zeltstadt aus Tüchern, Brettern, notdürftig zusammengezimmerten Hütten. Kleidung hängt auf Bauzäunen, auf dem Boden liegen Bierflaschen, Schuhe und Schlafsäcke. Es ist Winter, die Bäume sind kahl, der Himmel grau.

Mittendrin in all dem Elend steht Kleckx mit einer Eishockey-Maske. Er verschränkt die Arme vor der Brust, hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Kleckx, der eigentlich anders heißt, war einer von 140 Obdachlosen, die im Winter 2019 im damals größten Obdachlosenlager Deutschlands an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg lebten. Bis 2021, als der Bezirk nach einem Kälteeinbruch über Nacht das Lager auflöste.

Der Tagesspiegel-Journalist Robert Klages, der von 2018 bis 2023 den Lichtenberg-Newsletter geschrieben hat, hat Kleckx im Winter 2019 getroffen und fotografiert. Das Foto von Kleckx im Obdachlosenlager ist eine von 20 Fotografien, die ab diesem Sonnabend in der Galerie „world in a room“ in Schöneberg zu sehen sind.

„Zwischenleben“ heißt die Ausstellung. Zu sehen sind Menschen wie Kleckx, die in Berlin buchstäblich zwischen dem Leben und den Häusern der Anderen leben, an „Zwischenorten“, die nicht auf Dauer angelegt sind. Diese „Zwischenorte“ hat Klages während seiner Recherchen und Streifzüge durch den Osten Berlins entdeckt, zu jedem Foto gibt es einen Artikel. Mit dabei sind auch Aufnahmen vom Bauwagenplatz, auf dem sich der Ex-RAF-Terrorist Burkhard Garweg versteckt hielt.

Nicht immer sind die Orte so prekär und elendig wie das einstige Obdachlosenlager an der Rummelsburger Bucht. So war Klages für seine Recherchen auch im „TeePeeLand“, einer Art antikapitalistischem Kleingartenverein, direkt an der Spree in Friedrichshain. Rund 20 Aussteiger leben dort in Jurten und selbstgebauten Hütten, es gibt eine Gemeinschaftsküche. Das ganze Jahr über können Menschen, die keine Wohnung haben, hier campen, Backpacker aus der ganzen Welt kommen zum Couchsurfen vorbei.