Intro

von Thomas Loy

Veröffentlicht am 12.08.2019

Kunstrasenplätze sind eine schöne Sache, vor allem muss beim Fußballspielen niemand mehr um die empfindliche Grasnarbe fürchten. Die ist ja aus witterungsbeständigem Granulat, weitgehend wartungsfrei und resistent gegen Regen, Kälte, Hitze, Unkräuter usw. Für den Klimaschutz sind solche Flächen aber kontraproduktiv. Zudem entweichen aus dem Granulat der meisten Kunstrasenplätze Plastikpartikel in die Umwelt, das Fraunhofer-Institut „Umsicht“ in Oberhausen hat Kunstrasenplätze sogar im Verdacht, drittgrößte Quelle des in Deutschland entstehenden Mikroplastiks zu sein. Genau deswegen droht Kunstrasenplätzen ein Verbot durch die EU. tagesspiegel.de

Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick dürfte ein solches Verbot den Spielbetrieb vieler Vereine empfindlich stören. Derzeit gilt Kunstrasen als die bessere und billigere Alternative zu Naturrasen. „Jahrelang hat der Fachbereich Sport die Sportvereine davon überzeugt, die Rasenplätze in Kunstrasenplätze mit Granulat umwandeln zu lassen“, sagt die bezirkliche Sportstadträtin Cornelia Flader (CDU). Am Bruno-Bürgel-Weg 99, Schöneweide, soll im August ein neuer Kunstrasenplatz fertig werden, am Alten Schönefelder Weg 20, Altglienicke, ist eine Umwandlung von Rasen in Kunstrasen geplant, am Segelfliegerdamm in Johannisthal ist ein vorhandener Kunstrasenplatz erneuert worden, An der Wuhlheide 161 ist das Projekt Umwandlung auf Kunstrasen auf 2020 verschoben worden. „Grund hierfür ist die verspätete Erstellung des Eingriffgutachtens nach §13f. Bundesnaturschutzgesetz“, heißt es im Bericht des Sportausschusses.

„Rasenplätze in Kunstrasenplätze umzuwandeln, da graut’s mir“, schreibt Grünen-Fraktionschefin Claudia Schlaak aus ihrem Urlaubsland Schweden, Heimat der Klimaschutz-Mahnerin Greta Thunberg. Natürlich sehe sie auch die Vorteile von Kunstrasenplätzen, aber man müsse „Alternativen finden zur sturen Umwandlung“. Überhaupt bewege sich die Klimaschutzpolitik im Bezirk derzeit „im Schneckentempo“. Seit zwei Jahren warte die BVV schon auf die Einstellung eines Klimaschutzbeauftragten. Außerdem stelle der Bezirk seinem Grünflächenamt viel zu wenig Geld zur Verfügung, um die Folgen des Klimawandels – vor allem Schäden durch die Trockenheit – kompensieren zu können.

Sportstadträtin Flader warnt dagegen vor „Aktionismus“. Und sagt: „Die deutschlandweite Diskussion über ein Verbot von Kunststoffgranulat ab 2021 halte ich für überhitzt und überzogen. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, die Alternativen, bestehend aus Kork und Sand, haben Schwächen.“ Allerdings, wenn das Verbot kommt, „müssen auch wir bei neuen Anlagen Alternativen in Betracht ziehen. Da es jedoch Quarzsand und Kork nicht in ausreichender Menge gibt, muss abgewartet werden, welche weiteren Alternativen Wissenschaft und Forschung anbieten.“ Es sollte eine vertretbare Übergangszeit geben. „Auch wir wollen Mikroplastik verhindern. Die Alternativlösungen müssen jedoch wirtschaftlich tragfähig und in einer angemessenen Zeit für die Ämter und die ausführenden Firmen umsetzbar sein.“

Echtes Grün gibt es zum Glück noch auf dem Tempelhofer Feld. Nur Tretroller fahren ist dort leider nicht erlaubt, das hatte ich beim Schreiben des vergangenen Newsletters leider nicht auf dem Schirm. (Danke für den Hinweis an Heidrun G.) Wobei ich nicht verstehen kann, dass man zwar bei 40 Km/h sein tägliches Rennradtraining auf dem Feld absolvieren darf, Kitesurfer und Skateboarder unterwegs sind, E-Roller mit einer Spitzengeschwindigkeit von 20 Km/h aber zu gefährlich sein sollen. Welche Rollerregeln sonst noch so den Spaß bremsen, lesen Sie hier: berlin.de. – Text: Thomas Loy
+++
Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick entnommen. Den – kompletten – Bezirksnewsletter gibt es unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
+++
Zum Autor: Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

Anzeige