Intro

von Thomas Loy

Veröffentlicht am 11.11.2019

was sagt Ihnen die Angabe 3,05 Meter? Nichts? Dann waren Sie am Donnerstagabend nicht dabei, als die Feuerwehr zu einem Simulationsgroßeinsatz mit Lösch-, Leiter- und Rettungswagen in Begleitung von Ordnungsamt, Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Verkehrsstadtrat ausrückte, zuerst in die Dorotheenstraße und anschließend in die Luisenstraße im Köpenicker Ortsteil Kietz. Jedesmal blieb der Konvoi stecken, weil zwischen den parkenden Autos nur noch eine Freifläche von 2,80 oder 2,90 übrig blieb. Der jung-dynamische Außendienstleiter vom Ordnungsamt, Axel Schenk, erklärte, eigentlich müssten seine Mitarbeiter jetzt alle Autos auf einer Seite der Dorotheenstraße abschleppen lassen, aber weil vorher jeder Halter ausfindig zu machen und anzurufen ist, und weil sich theoretisch jeder Halter beschweren könnte, dass sein Gegenüber später geparkt habe und deshalb schuld sei an der Verengung, und weil nicht sicher sei, dass der Abschleppwagen überhaupt durchkomme in der engen Straße, ließen sie das mal lieber bleiben. An der Luisenstraße traf es dann doch einen Golffahrer, dessen Untersatz in der Fünfmeterzone der Kreuzung stand. Hier konnte der Abschleppwagen problemlos rangieren und den VW auf die Ladefläche heben. Mehr von dieser lehrreichen Aktion lesen Sie hier in der Newsletter-Rubrik „Namen & Neues“.

Gummistiefel für die Bahnhofstraße. Kennt noch jemand Axel Sauerteig? Der war mal Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der BVV. Lang ist’s her. Am 20. September 2007 schrieb Sauerteig einen Antrag an die BVV. Darin fordert er das Bezirksamt auf, „den Regenwasserablauf unter der Bahnbrücke der Bahnhofstraße wieder so herzurichten, dass Fußgänger und Radfahrer weitgehend von Spritzwasser bei stärkeren Regenfällen verschont bleiben“. Und, nur z-w-ö-l-f Jahre später, am 29. Oktober 2019, erreichte der zweite Zwischenbericht des Bezirksamts zu diesem Thema das Büro der BVV. Darin ist von der Ost-West-Straße die Rede, von verschiedenen Planungsphasen und Planungsänderungstatbeständen, von der geplanten Verbreiterung der Unterführung im Rahmen des Bahnhofsausbaus und der Zusicherung, dass der Bezirk „gegenüber der DB AG darauf dringen (wird), dass im Zuge der Umgestaltung/Anpassung Elcknerplatz auch der neue Regenwasserkanal in der Bahnhofstraße geplant und baulich umgesetzt wird“. Natürlich kann es dazu noch keine Terminangabe geben, also bitte weiterhin Gummistiefel und Regenhose überziehen, es gilt die alte Köpenicker Regel: Es gibt keine maroden Straßen, sondern nur unangepasste Kleidung.

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

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