Intro

von Thomas Loy

Veröffentlicht am 09.03.2020

Das Coronavirus hält auch TreKö in Atem, auch wenn bislang noch keine Infektion im Bezirk nachgewiesen wurde. Berlinweit gibt es 48 Infizierte (Stand Montagmorgen). Teile der Bezirksamts sind lahmgelegt, weil viele Mitarbeiter aus anderen Abteilungen im Gesundheitsamt aushelfen. Es seien „Abstrichteams“ und „Nachverfolgungsteams“ gebildet worden, sagte Bürgermeister Oliver Igel (SPD) am Donnerstag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Bisher wird nur der Ernstfall geprobt. Anders als von mir vermutet (und im versandten Newsletter geschrieben) sind diese Teams aber noch nicht in Schutzanzügen unterwegs, um Speichelproben bei Bewohnern zu nehmen, oder dauertelefonierend am Schreibtisch aktiv, um Kontaktpersonen aufzuspüren. Sie bereiten sich nur auf den Ernstfall vor, weil es noch keine Infizierten im Bezirk gebe, mailte Igel nach Newsletter-Sendeschluss. „Für den Fall, dass Kontaktpersonen von Coronainfizierten recherchiert und angesprochen werden müssen, wurden bereits jetzt schon mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benannt, die in diesen Nachverfolgungsteams arbeiten werden.“ 600 bis 700 Anrufe besorgter Bürger seien bis Donnerstag im Gesundheitsamt eingegangen, sagte Igel in der BVV, obwohl es eine zentrale Info-Hotline des Senats für solche Fälle gebe. Die ist aber offenbar heillos überlastet.

Man habe einen Corona-Krisenstab aktiviert, sagte Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski, darin wird täglich beraten, welche zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden sollen. Am Montag entschied der Krisenstab, alle Kiezkassen-Veranstaltungen bis zum 3. April abzusagen. Geschanowski deutete am Rand der BVV an, dass er die Sitzung im Rathaus Treptow auch jederzeit, nach Rücksprache mit dem Amtsarzt, abbrechen könne, sollte jemand zu offensichtlich niesen und husten. Alle Verordneten und Besucher waren vor der BVV aufgefordert worden, ihre Telefonnummer zu hinterlassen, damit sie notfalls nachverfolgt werden können (bis auf Paul Bahlmann von der SPD, der war zu spät gekommen). Igel empfahl seinen schutzbefohlenen Bürgern, vorerst auf das Händeschütteln zu verzichten.

Abiturienten müssen zuhause bleiben. Am Freitag kam die Abiturklasse zweier Schulen aus Grünau und Köpenick (Schulverbund Grünauer Gemeinschaftsschule/Schule an der Dahme) von einer Skireise aus Südtirol zurück. Der Bus wurde gleich zum Gesundheitsamt von Treptow-Köpenick umgeleitet, weil einige Schüler Erkältungssymptome aufwiesen – sie wurden auf das Virus getestet. Anschließend wurden alle Schüler mit einem anderen Bus, den das Bezirksamt kurzfristig gechartert hatte, nach Hause gebracht. „Alles lief in Ruhe und besonnen ab“, erklärte Geschanowski auf Anfrage. Er brachte die Test-Abstriche am Abend – gemeinsam mit einem Hygienereferenten – noch zum Labor in die Charité, „damit diese sicher ankommen und schnell analysiert werden können.“ (Das mit der Schnelligkeit ist so eine Sache, das Labor ist inzwischen ebenfalls an seiner Kapazitätsgrenze, täglich gehen 600 bis 700 Proben ein, sagte der Chefvirologe Christian Drosten im NDR-Podcast). Die Schüler sollen bis auf Weiteres nicht mehr die Schule besuchen.

Keine Corona-Anlaufstelle im Bezirk. Ob doch eine Frau, die positiv auf das Virus getestet wurde, in TreKö wohnt, wie der Charlottenburger Gesundheitsstadtrat behauptete, konnte die Senatsgesundheitsverwaltung bisher nicht bestätigen. Die Pressestelle ist auch überlastet. Und der Bezirk darf dazu nichts mehr sagen, erklärte Geschanowski, Anordnung von oben. Eine Anlaufstelle für Menschen, die sich auf das Virus testen lassen möchten, gibt es im Bezirk bislang nicht, die nächstgelegenen sind das Ev. Krankenhaus Herzberge in Lichtenberg und das Wenckebach-Klinikum in Tempelhof an der Albrechtstraße. Alle neuen Fakten zur Corona-Epidemie lesen Sie im Tagesspiegel-Liveblog.

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

+++ Dieser Text stammt aus dem aktuellen Newsletter für Treptow-Köpenick. Jeden Montag kostenlos per E-Mail erhalten: leute.tagesspiegel.de

+++ Weitere Themen der Woche:

  • Fußgänger von Straßenbahn überrollt
  • FDP wünscht sich eine S-Bahn-Direktverbindung ins Stadtzentrum
  • AfD lässt FDP im Stich: Grüner-Pfeil-Antrag gescheitert
  • Sophie-Brahe-Schüler protestieren für Campuslösung
  • Kosmosviertel-Mieter erzwingen Infoversammlung
  • Grüne fordern Tempo 30 für die Bölschestraße
  • Führungen im Spreepark starten im April
  • 1. FC Union verliert in Freiburg und empfängt die Bayern