Intro

von Simone Jacobius

Veröffentlicht am 20.07.2020

So leicht sind Müggelheimer nicht ruhig zu stellen. Auch wenn mit der mittlerweile stehenden Gasdruckstation auf dem denkmalgeschützten Dorfanger vollendete Tatsachen geschaffen wurden, regt sich bei den Bewohnern heftiger Widerstand. Das hatte auch RBB-Kollege Frank Drescher zu spüren bekommen, als er eine Vor-Ort-Diskussion für die Abendschau auf dem Anger durchführte. Etwa 50 Leute kamen – und das an einem ganz normalen Werktag zur Mittagszeit.

Die Stimmung war geladen. Andreas Wendt, Pressesprecher der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) und auch Baustadtrat Rainer Hölmer hatten kein leichtes Spiel. Sie räumten zwar ein, dass man die Öffentlichkeit im Vorfeld hätte informieren sollen, aber nun ist es passiert: Ob der hässliche Betonklotz noch einmal umgesetzt werden kann und Anwohnern und Besuchern dann wieder ein freier Blick auf den historischen Dorfanger gewährt wird, ist offen. NBB-Sprecher Wendt machte Hoffnung: „Wenn ein passender Standort in Landesbesitz gefunden wird und die Kosten für eine Umsetzung sich im Rahmen halten, ist das mittelfristig durchaus möglich.” Vorerst sollen, um die Gemüter zu beruhigen, die nackten, gelben Betonfassaden mit Sträuchern verschönert werden.

Die Abgeordnete Stefanie Fuchs (Die Linke) war auch vor Ort und hat den Akteuren auf den Zahn gefühlt. Von Ulrike Zeidler, Leiterin des Stadtplanungsamtes, dem auch die Untere Denkmalschutzbehörde untersteht, brachte sie in Erfahrung, dass sie das Bauvorhaben „unterschätzt” habe. „Mir wäre schon beim Bild des Bauantrages bewusst geworden, dass es so nicht funktioniert“, sagt Fuchs. Schön ist auch, dass die Behördenleiterin „aufgrund einer hohen Arbeitsbelastung vergessen“ habe, den Vorhabenträger auf die Bürgerbeteiligung hinzuweisen. Das Fazit der Abgeordneten: „Es tut mir leid, da fehlt mir ein bisschen das Verständnis und ich werde den Heimatverein bei der Suche nach einem anderen Standort unterstützen.”

Jetzt gucken alle hoffnungsvoll auf den 11. August. Für den Tag ist die Gesprächsrunde zwischen Müggelheimer Heimatverein, Bürgermeister Oliver Igel und der NBB angesetzt. Bis dahin werden alle nach einem passenden Grundstück suchen.

Simone Jacobius, Berliner Urgewächs, wohnt seit 25 Jahren mit ihrer Familie in Müggelheim. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail unter: simone.jacobius@extern.tagesspiegel.de

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