Intro

von Thomas Loy

Veröffentlicht am 16.11.2020

warum bringt ihr keine positiven Nachrichten? Das ist einer der häufigsten Leserkommentare, die einem Journalisten das Tagwerk verhageln. Positive Nachrichten sind oft keine, weil sie die Normalität widerspiegeln, weil – zum Glück – das Positive deutlich das Negative dominiert. Kommt die Müllabfuhr, geschieht etwas Positives, jeden Tag von Neuem. Kommt sie nicht, wird berichtet.

Taucher suchen nach Munition. Trotzdem will ich mich redlich bemühen, öfter was Positives zu berichten. Fangen wir gleich mal an: Im Müggelsee sind derzeit Profitaucher aus Hamburg unterwegs, um Weltkriegsmunition zu bergen. Das Positive: Sie finden kaum etwas. Seit Januar haben die Taucher in einem 77 Hektar großen Suchsektor Folgendes entdeckt: ein Panzerfaustkopf, eine Handgranate und jede Menge Alltagsschrott, wie Lars Doering vom Wasser-und Schifffahrtsamt berichtet.

2004 war die Lage noch komplett anders. Freizeittaucher des Tauchsportklubs Adlershof waren auf Fliegerbomben gestoßen, abgeworfen von deutschen Kampfflugzeugen. 16 50-Kilo-Bomben konnten geborgen werden, und schon machten Gerüchte die Runde, der Müggelsee könnte ein großes Endlager für Kriegsmunition sein. Auf 110 Tonnen schätzt der Senat die Menge an Granaten und Bomben auf dem Seegrund, aber davon wird wohl nur ein Bruchteil geborgen. Man beschränkt sich bei der Suche auf die ufernahen Bereiche, in der Nähe von Vereinen und Badestellen. Was mitten im See liegt, der immerhin rund 750 Hektar misst, wird dort auch weiter liegen bleiben.

Rund 1,4 Mio. Euro kostet die Suchaktion. Beauftragt wurden die „Hansataucher“ aus Hamburg. Im Frühjahr wurden die Tauchgänge erstmal ausgesetzt, wegen der beginnenden Wassersport-Saison. Ende September ging es dann wieder los. Geplant ist, die Suche bis Ende Februar 2021 abzuschließen. Zuvor hatte ein Spezialschiff das Terrain mit einem Metalldetektor untersucht, die Taucher wissen also genau, wo sich Metall im See befindet, allerdings nicht, ob es sich um ein Dreirad handelt oder eine Kalaschnikow.

Und jetzt zu den sonstigen Nachrichten. Es sind diesmal ein paar mehr geworden, aber Sie haben ja auch mehr Zeit zum Lesen. Oder nicht?

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

+++ Dieser Text stammt aus dem aktuellen Leute-Newsletter von Thomas Loy für den Bezirk Treptow-Köpenick. In voller Länge – und kostenlos – erhältlich unter leute.tagesspiegel.de. Und das sind die weiteren Themen:

  • Köpenicker Flüchtlingsheim unter Quarantäne
  • Aus der BVV: AfD-Stadtrat weist Rassismus-Vorwürfe zurück
  •  AfD verweigert Maskenpflicht
  •  Bezirk hat 40.000 Masken bestellt
  • Angespannte Situation in Kliniken
  • S-Bahnhof „Johannisthal“ nicht mehr zu stoppen
  • Weihachtsmärkte abgesagt
  • Protest erfolgreich: Müggelheimer Gasdruckstation wird verlegt
  • Tobias Unterberg erzählt, wie er der jüngste Solo-Cellist der DDR wurde
  •  Spielausfälle wegen Corona bei den Volleyball-Damen
  • Der Wahlkrimi vor 100 Jahren in Treptow und Köpenick