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von Thomas Loy

Veröffentlicht am 11.01.2021

Wenn die Corona-Infektionen trotz harten Lockdowns um 200 Prozent ansteigen, läuft etwas grob falsch. Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski (AfD) räumte am Freitag erst auf mehrmaliges Nachfragen ein, dass in vier Pflege- und Senioreneinrichtungen sowie einer Behinderteneinrichtung seit dem 29. Dezember 190 Coronafälle gemeldet wurden (Stand Freitag). In diesem Zeitraum seien 24 Menschen mit einer Infektion gestorben.

Die 7-Tage-Inzidenz ist im Januar sprunghaft gestiegen, von 75 auf derzeit 222 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen. Das liegt über dem Berliner Durchschnitt. Die Senatsverwaltung für Gesundheit meldet für TreKö 608 neue Coronafälle innerhalb einer Woche. „Zurzeit befinden sich 1039 Personen in unserer Quarantänebetreuung“, erklärt der Stadtrat. Derzeit würden jede Woche mehr als 1000 Coronatests von Amtswegen durchgeführt. Die 15-Kilometer-Regelung bei einer Inzidenz über 200 will der Senat am Dienstag einführen. Brandenburg hat diese Regelung schon.

Die stark gestiegenen Zahlen seien vor allem Nachmeldungen aus Pflegeeinrichtungen. „Die Belegschaften der Pflegeheime waren personell sehr geschwächt, da auch dort der Krankenstand sehr hoch war“, teilte Geschanowski mit. Um die Pflegeheime über die Feiertage und Jahreswechsel zu unterstützen, taten wir alles Erdenkliche zur Unterstützung ihrer Testkonzepte und gaben ca. 1000 PCR-Tests mit Laborscheinen an die Pflegeeinrichtungen weiter, damit das Pflegepersonal aussagefähige Abstriche machen konnte.“ Die Übergabe der Testungen an die Labore sei wegen der Feiertage dann zeitverzögert erfolgt.

Gegenmaßnahmen in den Pflegeheimen? „Hier wurden Besuchsverbote ausgesprochen und die Bereiche isoliert“, sagte Geschanowski. „In den Einrichtungen werden regelmäßig PCR-Testungen durchgeführt. Darüber hinaus bleibt die Anzahl an täglichen Einzelbefunden auf einem hohen Niveau.“ Über die Ursachen des Ausbruchs gibt es laut Geschanowski keine genauen Erkenntnisse, das sei „kein spezifisches Problem unseres Bezirkes“.

„Corona ins Pflegeheim gebracht“. Die Mutter eines schwerbehinderten Kindes berichtet, was passiert, wenn bei Corona etwas schief läuft: „Ich hatte am 11.12. einen positiven Coronatest, den meine Hausärztin gemacht hat. Mir ging es seit dem 5.12. sehr schlecht. Am 7.12. riefen wir abends einen Notarzt, der behauptete, es sei kein Corona, nur etwas Gliederschmerzen mit Fieber. Es wurde kein Test gemacht und ich wurde regelrecht alleine gelassen, so schlecht wie es mir ging. (…)

Mein Mann war weiterhin arbeiten und meine Tochter in der Schule, bis zu meinem Test. Dann ging es auf einmal meinem Mann auch sehr schlecht. Uns wurde gesagt, er brauche nicht getestet werden, sei bestimmt auch Corona und er habe sich bei mir angesteckt. Unsere Tochter wurde auch nicht getestet. (…) Meine schwerstbehinderte Tochter hat sich auch angesteckt und Corona mit ins Pflegeheim gebracht, weil wir es alle nicht wussten und nicht zeitnah getestet wurden – trotz Fieber und schwerer Symptome.“

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

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