Intro

von Julia Schmitz

Veröffentlicht am 21.11.2022

„wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, lautet ein abgewandeltes Sprichwort, das im Zusammenhang mit den Entscheidungen des von der FDP geführten Verkehrsministeriums in letzter Zeit häufiger fällt. Die Damen und Herren an der Invalidenstraße in Mitte versuchen mit aller Macht, die Verlängerung der Stadtautobahn A100 bis in die Storkower Straße in Prenzlauer Berg durchzusetzen – obwohl die Berliner Landesregierung bereits klar und deutlich gesagt hat: Nicht mit uns. Zumindest nicht in der laufenden Legislaturperiode und der derzeitigen Zusammensetzung des Senats.

Teuerste Straße in Deutschland. Während die Verantwortlichen im Roten Rathaus deshalb aktuell darüber nachdenken, den Flächennutzungsplan für den 17. Bauabschnitt zu ändern und diesen nicht mit Asphalt zu pflastern, sondern mit Schulen, Gärten, Wohnungen und Sportmöglichkeiten zu bebauen, wird in Treptow längst fleissig betoniert. Hier entsteht der 16. Bauabschnitt der A100 und mit ihm die teuerste Straße im ganzen Land: 218.000 Euro kostet jeder einzelne Meter der Autobahnverlängerung; insgesamt schlägt der Abschnitt, nach laufenden Berechnungen, mit 700 Millionen Euro zu Buche. In unserem Bezirk bekäme man für umgerechnet knapp zwei Meter Straße schon eine hübsche Eigentumswohnung mit Blick aufs Wasser.

Treptow droht Verkehrskollaps. Weil die Autobahn also vorerst in Treptow endet, stellt sich eine Frage, die wieder gut zu dem eingangs erwähnten Sprichwort passt: Wohin mit all den Autos, was tun gegen den ganzen Verkehr? Die CDU Treptow-Köpenick, Befürworterin des Autobahnausbaus und der Verlängerung, sieht da ein Problem auf den Stadtteil zukommen: „Alle zuführenden Buslinien sind auf den Bahnhof Treptower Park ausgerichtet und stehen heute und künftig noch mehr im Stau“, schreiben sie in einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung. Ihr Lösungsvorschlag: eine weitere S-Bahnhaltestelle, und zwar an der Kiefholzstraße. Zwischen S Treptower Park und S Plänterwald gäbe es so eine weitere Möglichkeit, auszusteigen – und der Kiez in Alt-Treptow sei dann auch besser angebunden.

Anreiz für ÖPNV schaffen. Denn Siemens ziehe 2025 aus der Gegend weg, es entstehe dadurch viel Flächenpotential für neue Wohnungen und die brächten dann wiederum „viele neue Verkehre“ mit sich, schreibt die Fraktion in der Antragsbegründung. Durch die Autobahn wären die Straßen in Zukunft außerdem noch mehr durch den „motorisierten Individualverkehr“ belastet, es bräuchte also einen Anreiz, auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Aktuell seien alle U- und S-Bahnhaltestellen mindestens 15 Minuten Fußweg entfernt, kritisiert die Fraktion.

Die Idee, an der Kiefholzstraße eine weitere Haltestelle einzurichten, sei bereits 80 oder 90 Jahre alt, heißt es weiter. Auch gäbe es bereits die baulichen Voraussetzungen für einen Stopp, die im Rahmen der Zusammenführung der Ringbahn Ende der 1990er Jahre eingerichtet worden seien. Am Donnerstag schoben die Bezirksverordneten den Antrag erst einmal zur weiteren Diskussion in den Ausschuss, das letzte Wort ist hier also noch nicht gesprochen.