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Kabelhavarie: Schuldfragen und Blackoutfolgen

Veröffentlicht am 18.03.2019 von Thomas Loy

So ein Kabel mit einer Stromspannung von 110 Kilovolt ist schon eine Kapazität. 15 Zentimeter dick, und davon drei Stück, machen eine 110-KV-Trasse aus. Das zerstörte Kabel zeigte Vattenfall auf der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität herum – hier ein Foto. Und wer hat nun Schuld am blamablen Blackout? Stromnetz-Berlin, die Vattenfall-Tochter, weist jede Verantwortung von sich und leitet alle Schadensersatzforderungen an die Arbeitsgemeinschaft der ausführenden Bauunternehmen weiter. Die eigentliche Bohrung hatte die Berliner Porr-Tochter Stump Spezialtiefbau vorgenommen, allerdings erklärte die Wiener Porr AG, der Firma habe eine Bohrfreigabe vom Auftraggeber vorgelegen. Wer das ist, ließ Porr-Sprecherin Sandra C. Bauer offen.

Vielleicht hat Stromnetz Berlin den Blackout aber auch durch eigenes Handeln begünstigt. Dass an der Allende-Brücke Versorgungskabel und Ersatzkabel für das Umspannwerk Landjägerstraße, das schließlich vom Stromnetz abgeschnitten wurde, in unmittelbarer Nähe parallel zueinander verliefen, widerspricht dem Prinzip der Ringversorgung. Das räumt Stromnetz-Berlin-Sprecher Olaf Weidner auch ein. Er spricht von „neuralgischen Punkten“, an denen die Stromversorgung eben besonders verletzlich sei, weil Kabel gebündelt werden müssten, dazu gehörten naturgemäß Brücken. In diesem Fall verlief eines der beiden beschädigten Kabel allerdings zum Umspannwerk Lauffener Straße in Oberschöneweide, von dort aus wäre der kürzeste Weg über die Dammbrücke zum Umspannwerk Landjägerstraße. Wäre das Kabel über die Dammbrücke verlegt worden, hätte es keinen Blackout gegeben. Auf meine Anfrage erklärte Weidner am Montag: „Im Rahmen der Trassenplanung wurden diverse Alternativen der Kabelführung – u.a. Führung der Kabel durch die Altstadt unter Nutzung der Dammbrücke sowie die Unterquerung der Müggelspree mittels Düker – geprüft. Die Alternativen waren entweder technisch nicht umsetzbar oder bspw. bezogen auf die Nutzung des Uferbereiches nicht genehmigungsfähig.“

2012 wurde das Umspannwerk Landjägerstraße für 30 Mio. Euro neu gebaut. Der damalige Vattenfall-Chef Helmar Rendez ließ sich wie folgt zitieren: „Das Umspannwerk ist ein wichtiger Meilenstein, um die Stromversorgung in Berlin in Zukunft noch sicherer zu machen“. Stromausfälle gibt es in Berlin nahezu täglich, erklärte Vattenfall den Kollegen vom Checkpoint-Newsletter – das Motto: Haben Sie sich nicht so, wenn es Sie mal trifft (einen jederzeit aktuellen Überblick gibt es hier).

Die Sperrung der Allende-Brücke macht es einigen Pflegediensten unmöglich, ihre Patienten zu erreichen, schreibt die BZ, daher war der Wunsch ergangen, man möge die Allende-Brücke zumindest für Notfalleinsätze öffnen, aber das lässt die zuständige Senatsverwaltung für Verkehr nicht zu. Bei der Feuerwehr heißt es, man habe die „Abmarschfolgen“, also die Einsatzgebiete für die jeweiligen Rettungswachen angepasst. Das funktioniert bisher wohl ganz gut, zumindest habe es in der zuständigen Direktion Süd noch keine Beschwerden gegeben, sagte mir Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein.