Namen & Neues

Schöneweider Investoren: Gekommen um zu bleiben

Veröffentlicht am 14.10.2019 von Thomas Loy

Am Ende griff der neue Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Carsten Busch („Präsident Busch“ – kleiner Gag des Moderators Gregor Keck, Leiter des Regionalmanagements) noch mal zum Mikro und bat die Anwesenden, doch bitte pfleglich mit den Podiumsgästen aus der Immobilienbranche umzugehen. Nach ihnen – sollten sie also irgendwann wieder genervt von der Bühne treten (vulgo: verkaufen) – kämen wahrscheinlich die Hedgefonds an die Reihe, mit zweistelligen Renditeforderungen, und in Schöneweide, mal bildlich gesprochen, bliebe kein Stein mehr auf dem anderen.

Mehrere tausend neue Arbeitsplätze. Drei wichtige Akteure für die Entwicklung im alten Industriekonglomerat hatten sich am Donnerstagabend auf das öffentliche Podium des Industriesalons Schöneweide gewagt – Anlass war das zehnte Jubiläum des Salons. Thomas A. Mohr vertrat die Deutsche Immobilien Entwicklungs-Gesellschaft, die sich das alte Werk für Fernsehelektronik (WF) gesichert hat, David Brachmann die Capital Bay Construction, die das ehemalige „Kulturhaus Wilhelmine“ der Akkumulatoren-Werke gekauft hat, und Alexander Haeder die Investoren der Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße. Gleich mal vorweg: Was dort entstehen soll, bleibt weiter spekulativ.

Büroflächen für moderne Unternehmen, dazwischen Platz für etwas Gastronomie und Dienstleistungen für die „mehreren tausend“ Beschäftigten (WF-Gelände), vielleicht mal ein Design-Studio (Bärenquell), die Investoren ließen sich zu keinen konkreten Aussagen hinreißen. Mohr sagte nur klipp und klar, außer dem denkmalgeschützten Behrens-Bau an der Front werde wohl alles abgerissen, um Platz für neue Bürobauten zu schaffen. Im Behrens-Bau würde er „sehr gerne“ die HTW unterbringen, die ihren Campus komplett nach Schöneweide verlegen will. Aber die Entscheidung dafür oder dagegen müsse bald fallen.

25 Euro Gewerbemieten? Der Chef der Schöneweider Firma BAE-Batterien, Jan IJspeert, bewährte sich als Sidekick, um die teils akademisch geführte Diskussion gehörig anzupfeffern. IJspeert forderte ein klares Bekenntnis der Verwaltung zur Priorität von Wirtschaft und Arbeitsplätzen in Schöneweide. Das verweigerte Stadtplanungschefin Ulrike Zeidler: Es gehe eben auch um Wohnungsbau, neue Kitaplätze, Grünflächenentwicklung… Die Staatssekretärin für Wirtschaft, Babro Dreher, hatte zuvor einen „Masterplan für Schöneweide“ gefordert. Auch damit konnte Zeidler nicht viel anfangen. IJspeert versuchte auch, die Investoren aus der Reserve zu locken, beim Thema Arbeitsräume für Künstler: „25 Euro pro Quadratmeter (Gewerbemiete), das ist es doch, mit dem Sie rechnen.“ Eisernes Schweigen auf dem Podium.

Wünsche für die Wilhelmine. Das alte Kulturhaus Wilhelmine mit seinem großen Saal wäre als Ort für Kunst, Theater, Ausstellungen geradezu prädestiniert. Aber Brachmann entschärfte alle Fragen zur künftigen Nutzung mit einem breiten Lächeln. „Ich habe keine Ahnung, was wir mit der alten Wilhelmine machen.“ Das Projekt habe in seiner Immobilienfirma eine ziemlich nachrangige Bedeutung. Es sei schon schwierig gewesen, das Geld für eine Untersuchung des denkmalgeschützten Gebäudes locker zu machen. Immerhin verteilte Brachmann in kleiner Runde Postkarten, die man gerne mit einem Wunsch versehen zurückschicken könne. Also, wenn Sie Wünsche für die Wilhelmine haben, bitte alles zu mir, ich leite dann gerne weiter.