Namen & Neues

Feuerwehr rückte zum Großeinsatz gegen Falschparker aus

Veröffentlicht am 11.11.2019 von Thomas Loy

An der Kreuzung Dorotheenstraße/Pohlestraße ist Schluss, der Löschwagen der Freiwilligen Feuerwehr Köpenick kommt zwischen dem blauen Lieferwagen links und dem SUV rechts nicht durch. „Feierabend“, sagt Brandinspektor Lutz von Mezynski. Er ist bester Laune, denn das Einsatzziel ist erreicht: Die Köpenicker über Funk, Fernsehen und Newsletter aufmerksam machen, dass sie beim Parken nicht nur auf Verbotsschilder achten müssen, sondern auch auf ausreichend Abstand zum parkenden Gegenüber. Dass ein Auto durchpasst, reicht nicht aus, das Mindestmaß: 3,05 Meter. Die Kollegen vom Ordnungsamt können das per Laser genau nachmessen. Hat ein Auto Überbreite, reicht der Platz hier nicht, eine ganze Autoreihe parkt praktisch illegal. Warum stellt der Bezirk also keine Halteverbotsschilder auf? Das wäre gegen dass Gesetz, klärt Sandra Pirok von der Straßenverkehrsbehörde des Bezirks auf. Schilder sind nur dort erlaubt, wo sie ein Gebot oder Verbot setzen. Wo das Parken per se nicht erlaubt ist, dürfe das kein Schild bekräftigen.

Beweisaufnahme an der Motorhaube. Um herauszufinden, welcher Autofahrer zuletzt gekommen ist, also illegal parkt, fühlen die Ordnungsamtler gerne, ob die Motorhaube noch warm ist. Ergibt das kein schlüssiges Ergebnis, wird pragmatisch entschieden, welches Auto dem Anschein nach das größere Hindernis darstellt – oder sich einfacher abschleppen lässt. Mit dem Rest – also widersprechenden oder klagenden Haltern – müsse sich dann die Bußgeldstelle auseinandersetzen, sagt Ordnungsamts-Außendienstchef Markus Schenk.

Falschparken gefährdet Menschenleben. Nach einer Stunde ist die Demonstration vorbei. Verkehrsstadtrat Rainer Hölmer (SPD) hat in die Kamera der RBB-Abendschau gesprochen, dass es bei Einsätzen der Feuerwehr schließlich um Menschenleben gehe, Falschparken also kein Kavaliersdelikt sei. Es gehe nicht um Schikane, sondern darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Die meisten Anwohner kriegen davon an diesem Abend nichts mit. Niemand schaut aus dem Fenster oder kommt auf die Straße, um mal nachzuschauen, was los ist. Jeder ist froh, überhaupt einen Parkplatz gefunden zu haben. Legal, halblegal, ganz egal – so lange die Polizei nicht kontrolliert. „Die Polizei kommt nach acht Uhr abends nicht mehr“, sagt eine Anwohnerin der Luisenstraße.

VW Golf wird abgeschleppt. Dort ist der zweite dokumentarische Einsatzort. Wieder bleibt der Konvoi wie geplant stecken. Die Kopfsteinpflasterstraße dürfte eigentlich nur auf einer Seite beparkt werden. Schenk entscheidet sich dafür, einen Lieferwagen abschleppen zu lassen, der mit seiner Überbreite gleich den Eingang in die Straße versperrt. Vorher müssen seine Mitarbeiter wieder telefonieren, und tatsächlich erreichen sie einen Mitarbeiter, der den Wagen schnell aus der Gefahrenzone fährt. Alternativ kommt ein VW Golf ins Visier, der im Fünfmeterbereich der Kreuzung steht. Wieder wird telefoniert, diesmal ist niemand zu erreichen, also darf der Kollege vom Abschleppdienst seine Ketten über die Reifen legen. Nach zehn Minuten ist das Auto verschwunden.

Park-Lösung in Sicht. Eine Anwohnerin schlägt vor, die Straße zu verbreitern, schließlich brauche man die Parkplätze. „Und wer soll das bezahlen?“ fragt Hölmer. Er hat einen besseren Vorschlag und winkt seine Amtsleiterin herbei. „Könnten die nicht mit zwei Reifen auf dem Bürgersteig stehen?“ Könnten sie, da gebe es auch schon E-Mail-Kontakt mit dem Tiefbauamt, sagt Sandra Pirok von der Verkehrsbehörde, nur der Rücklauf fehle noch. Und dann dürften wohl auch ein paar neue Schilder das halbseitige Parken auf dem Bürgersteig erlauben.

70 Autos abgeschleppt. Beim Derby Union gegen Hertha kontrollierten elf Mitarbeiter des Ordnungsamts ab 8 Uhr morgens die „temporären Sicherheitshaltverbote“ rund ums Stadion an der Alten Försterei, gemeinsam mit der Polizei. Insgesamt wurden rund 70 Fahrzeuge abgeschleppt, teilte das Bezirksamt mit. Zusätzlich wurden rund 50 Halter aufgefordert, ihr Fahrzeug umzuparken. „Nachdem die Straßenzüge freigeräumt waren, bestand die hauptsächliche Aufgabe darin, die Flächen freizuhalten. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zeigte Verständnis.“

Mehr dazu siehe auch Newsletter-Intro hier.

Anzeige