Namen & Neues

Aktuelles Ausbautempo des Radwegenetzes beträgt 2 Prozent

Veröffentlicht am 06.04.2020 von Thomas Loy

Die letzte „AG Radverkehr“ ist schon ein paar Tage her (2. März), trotzdem wollen wir heute mal ausführlich berichten. Angesichts des aktuellen Ausbautempos der bezirklichen Radinfrastruktur verbietet sich allerdings eine ausgeschlafene Berichterstattung. Das Wenige, was passiert, muss ein sparsamer Redakteur wohlproportioniert über die Zeit strecken.

Kommen wir also zur Umsetzung des „Radwegekonzepts Treptow-Köpenick 2010″: Seit 2010 wurden nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft 20 Prozent der dort beschlossenen Maßnahmen umgesetzt, was einer Abarbeitungsgeschwindigkeit von zwei Prozent pro Jahr entspricht. In 50 Jahren haben wir also ein fertiges Radwegenetz, theoretisch. Praktisch ist jeder zweite Berliner Radweg fünf Jahre nach Sanierung unterwurzelt und sanierungsreif. Die zwei Prozente Ausbaufortschritt für 2019 waren demnach:

  • Asphaltdecke auf dem Dahmeradweg in der Rohrwallallee
  • Sanierung Wernsdorfer Straße in Schmöckwitz
  • Fahrradabstellanlagen in der Köpenzeile und am S-Bahnhof Schöneweide
  • Grünfärbung Höhe Wendenschlossstraße

„Klingt wenig – ist es auch. Das sieht auch das Bezirksamt so“, lautet der Kommentar der Fahrradinitiativen in der AG. Ebenfalls nicht sehr üppig ist die Maßnahmenliste für dieses Jahr: „Das fehlende Stück Schutzstreifen auf der Kiefholzstraße zwischen Brücke Güldenhofer Ufer und Dammweg (beidseitig) soll weiter geplant werden. Wenn keine weiteren Verzögerungen eintreten, hat die Kiefholzstraße 2022 einen durchgängigen Schutzstreifen. Die Spree- und Edisonstraße bekommen einen endgültigen Radstreifen, die Siemensstraße wird leer ausgehen. Hier einmal eine Gelbmarkierung sei geplant. Der Radweg am Müggelseedamm zwischen Charlotte-E.-Pauly-Straße und Fürstenwalder Damm wird in diesem Jahr endlich verbreitert. Die Straße Am Goldmannpark in Friedrichshagen bekommt eine Asphaltdecke.“

Y-Trasse kommt erst 2023. Der Radweg in der Wegedornstraße in Altglienicke auf Höhe der Brücke soll erst 2021 kommen. Ebenso der Radweg an der Rummelsburger Landstraße stadteinwärts, „geplant war die Fertigstellung für 2019″. Und was ist mit der Y-Trasse, dem Radschnellweg von Adlershof in die Innenstadt? Nach Angaben des neuen Bauträgers Infravelo, so berichten es die Initiativen, soll die Trasse „ungefähr 2023 fertiggestellt sein“.

Pop-up-Radweg auf dem Adlergestell. Zum Trost erwägt jetzt auch Verkehrs- und Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD), sich der Mode sogenannter Pop-up-Radwege zu beugen. So sollen die Corona-Helden aus den Krankenhäusern und Supermärkten virusfrei zu ihren Arbeitsplätzen gelangen. „Vor diesem Hintergrund befürwortet der Bezirk sogenannte Pop-Up-Radwege, wo sie rechtlich und verkehrstechnisch anordnungsfähig sind“, sagte Hölmer der Berliner Morgenpost. Geprüft werde derzeit ein Abschnitt der B 96a zwischen Schöneweide und Adlershof. Die Senatsverkehrsverwaltung muss allerdings erst prüfen, ob sie diese Idee für gut hält. Sollte die Prüfung positiv ausfallen, werde der Bezirk „umgehend in die praktische Umsetzung gehen“. Echt poppig!