Namen & Neues

Pop-Up-Radwege für TreKö? Es sieht nicht gut aus

Veröffentlicht am 04.05.2020 von Thomas Loy

Foto: Jörn Hasselmann

Pop-Up entspricht dem Zeitgeist: Schnell handeln, ohne lange zu planen. In Kreuzberg haben sie die Nase vorn, wenn es um die Pop-Up-Bikelanes geht, die schnell auf die Straße gemalt werden, um einen coronasicheren Abstand zwischen Radfahrern möglich zu machen. Und später die rot-rot-grüne Verkehrswende voranzubringen, indem sie in dauerhafte Radwege umgewandelt werden.

In TreKö sollte ein Pop-Up-Radweg auf der B 96a entstehen, was kein großes Ding wäre, denn eine von drei Autospuren müsste einfach für Radfahrer markiert werden. Auch auf der Baumschulenstraße wünschen sich viele breite Radfahrstreifen auf der Straße als Alternative zu den kaputten schmalen Radwegen auf den Bürgersteigen.

„Öffentliche Schlammschlacht.“ Verkehrsstadtrat und Alltags-Radfahrer Rainer Hölmer (SPD) sei derzeit wegen dieser Pop-Up-Angelegenheiten im Gespräch mit der Verkehrsbehörde des Senates, erklärt das Bezirksamt auf Twitter. Aber zumindest an die Baumschulenstraße traue sich die Senatsbehörde wohl nicht heran. Der grüne Verkehrsexperte Harald Moritz twitterte sich ein: Aus Koalitionskreisen sei verlautet worden, Hölmer habe gar keine Pop-Up-Wege „beantragt“. Dem widersprach das Bezirksamt. Schließlich platzte der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg der Kragen: „Anstatt miteinander zu telefonieren, um die Pop-Up-Bikelane schnell anzuordnen, wird eine öffentliche Schlammschlacht aufgeführt. Ich kann mich dem Urteil vom Netzwerk Fahrradfreundliches Treptow-Köpenick nur anschließen, die dies als ‚lächerlich‘ bezeichneten und fordere entschlossenes Handeln, wie es auch in anderen Bezirken möglich ist.“

Und was sagt nun Hölmer?

  • Erstens: Der Bezirk könne nicht selbst Pop-Ups anordnen, das müsse die Senatsbehörde machen, wozu sie planerische Unterstützung aus dem Bezirk brauche. Er sei im Gespräch mit dem Radkoordinator der Behörde, doch es gebe bislang noch kein Signal, dass man einen Pop-Up-Radweg anordnen wolle.
  • Zweitens – nennen wir es das Coronarechts-Dilemma: Auf der B96a hätten die Radfahrenden genügend Abstand voneinander (die paar, die sich dort überhaupt auf den holprigen, luftverschmutzten und lauten Weg machen). Man könne also nicht mit Verweis auf die Abstandsregeln in der Corona-Eindämmungsverordnung einfach einen Pop-Up-Radweg aufmalen. Dort, wo es wegen Corona geboten sei – in der Baumschulenstraße, der Dörpfeldstraße oder in der Köpenicker Bahnhofstraße – seien die Straßen-Querschnitte aber nicht breit genug.
  • Drittens: In der Innenstadt würden in der Regel nur dort Radwege aufgemalt, wo später ohnehin eine Fahrspur für Radfahrer geplant sei. Das sei mit Verweis auf Corona rechtlich möglich. In TreKö gebe es auf den besagten Straßen aber keine fertigen Planungen für dauerhafte Radwege, auch nicht auf der B96a.

Was folgt aus alledem? Es wird keine Pop-Up-Bikelanes bei uns geben – es sei denn, die Senatsbehörde für Verkehr, die der grünen Senatorin Regine Günther unterstellt ist, plant auch mal außerhalb des S-Bahn-Rings die Zukunft der Mobilität.

 

 

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