Namen & Neues

Autofahren statt Öffis nutzen

Veröffentlicht am 11.05.2020 von Thomas Loy

Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Umfrage der Linken-Fraktion zur Mobilität in Alt-Treptow hat einige Leser veranlasst, ihre Vorstellungen und Kommentare aufzuschreiben. Diese Debatte möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Die Frage, wie wir uns künftig durch die Stadt bewegen wollen, reizt weiterhin mehr als jedes andere Thema – abgesehen vom Coronavirus.

Judith W.: Mich wundert nicht, dass Menschen in Alt-Treptow nicht auf ihr Auto verzichten möchten. Eher frage ich mich, wie Politiker das erwarten können. Wer auf seinen Wagen verzichtet, der braucht geeignete Alternativen, um mobil zu bleiben. Dazu reicht das Fahrrad nicht aus, es braucht auch einen zuverlässigen ÖPNV in kurzer Taktung. Das hat Alt-Treptow nicht. U-Bahn und S-Bahn sind relativ weit entfernt, die Busanbindung ist miserabel.

Wer wie ich lange Arbeitstage hat, steht nach 20 Uhr am Rathaus Neukölln und wartet auf einen Bus, der vielleicht alle 20 Minuten kommt. Die Busse fahren unregelmäßig, kommen oft zu spät und die BVG sieht kein Problem. Da bleibt für Regentage und lange Strecken nur das Auto.

Bevor ich nach Alt-Treptow zog, habe ich sehr ernsthaft über eine Abschaffung meines Wagens nachgedacht und bin grundsätzlich eine große Anhängerin des ÖPNV (bzw. ich war es, bevor ich nach Alt-Treptow kam)! Ich wohne seit mehr als 30 Jahren wechselweise in Hamburg und mehreren Stadtteilen von Berlin. Noch nie hatte ich eine derart miserable ÖPNV-Anbindung wie in Alt-Treptow. …

Peter Racz: Linke enttäuscht von Alt-Treptowern? Eine Mehrheit der Bevölkerung für Autos und Parkplätze? Ja, das ist gelebte Demokratie. Und so nebenbei müssen die Leute vielleicht noch arbeiten gehen, und viele arbeiten nicht im Kiez, so dass sie ein Auto brauchen, weil keine Straßenbahn dort hinfährt, wo die Arbeit ist. In einer echten Demokratie passiert das, was die Mehrheit möchte.

Ulbrichts Demokratietheorie. Schade, dass die Linken davon „enttäuscht“ sind. Anstatt zu verstehen, dass in einer Demokratie die Mehrheitsmeinung ein Auftrag für die Politiker ist. Man bekommt den Eindruck, dass sich manche Genossen vom Ulbrichtschen Motto immer noch nicht verabschieden konnten: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ (mehr zu Ulbricht und seiner „Gruppe“, die 1945 in Berlin ankam, um das neue Deutschland aufzubauen, finden Sie hier)

Annette B.: Das Thema Auto – ich radle eher – interessiert mich, eher: reizt mich. Gut war ihre Idee vor Monaten, die A 100 in Treptow noch vor dem Start zu „entwidmen“ und besser zu nutzen. Ähnliches sollte mit den riesigen Garagenstandorten für PKW passieren. Zu sehen ist an manch einer Garagentür, dass gar nicht gefahren wird. Nutzt derjenige dann zusätzlich öffentlichen Parkraum? Aber das, was gerade durch Radio und Presse geistert, ist hanebüchen und wettbewerbsverzerrend – … die Nachfrage nach Autos durch Prämien zu fördern.

 

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