Namen & Neues

Es war einmal...

Veröffentlicht am 02.06.2020 von Simone Jacobius

So fangen alle Märchen an, aber manchmal auch die Geschichte eines verwunschenen Hauses. Das „Müggelhort” in Müggelheim war beliebte Ausflugsgaststätte, gut besuchtes Restaurant und vor allem populäre Bowlingstätte. Nachdem es vom damaligen Besitzer Lutz Böhm 2016 verkauft wurde, steht es leer – und verfällt immer mehr. 

Wir haben es zum Anlass genommen, mal nachzuhaken: Zur Person des aktuellen Grundstückseigentümers darf auch das Stadtentwicklungsamt keine Auskunft erteilen. Aber Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) sagt: „Im Rahmen der Bauberatung gab es im Laufe der letzten Jahre mehrere mündliche Anfragen von und mit verschiedenen Interessenten und zuletzt mit dem aktuellen Eigentümer für eine geplante Umnutzung des vorhandenen Gebäudes zum Wohnen beziehungsweise zum Abriss und Neubau von ortsüblichen Wohnhäusern.” Und jetzt werden alle durstenden Radler und Wandersleute enttäuscht sein: Eine Wiederaufnahme der Nutzung als Gaststätte sei von keinem der wechselnden Eigentümer bisher nachgefragt worden. 

Überhaupt ist es noch nicht einmal bindend, dass dort wieder eine Gastronomie entsteht. Der baulich genutzte Teil des Grundstücks befindet sich nämlich im durch überwiegende Wohnbebauung geprägten Bereich – der Siedlung Müggelhort. Die Restfläche dagegen liegt im Außenbereich, in dem ein generelles Bauverbot besteht. 

Eine Nutzung als Gaststätte ist zwar aus planungsrechtlicher Sicht nicht ausgeschlossen, benötigt aber doch einen Bauantrag. „An diesem Standort sind aber ggf. auch Wohnnutzungen und / oder wohnverträgliche gewerbliche Nutzungen grundsätzlich möglich”, meint Baustadtrat Hölmer. Wenn das vorhandene Gebäude abgerissen werden sollte, sei nach derzeitiger Rechtslage aus planungsrechtlicher Sicht eine ortsübliche Wohnbebauung grundsätzlich möglich. 

Die Geschichte des Ausflugsrestaurants geht übrigens auf das Jahr 1901 zurück. Damals wurde Carl Hecht aus Rahnsdorf im Grundbuch als Gastwirt des Hotel & Waldrestaurants Müggelhort eingetragen. Im Februar 1919 wurde die Gaststätte vom Ehepaar Paul und Elisabeth Böhm gekauft und ging später in den Besitz ihres Sohnes Arthur und dessen Frau über. 1968 wurde der Betrieb von der staatlichen HO übernommen und ging nach der Wende in den Bestand der Treuhand über. Erst 1992 kaufte Nachfolger Lutz Böhm das Gaststättenensemble seiner Vorfahren von der Treuhand zurück und baute alles um und aus. Nachdem Böhm das Areal 2016 verkauft hatte, wechselte es noch mehrfach den Eigentümer. Seitdem verfällt alles. Nicht mehr lange und aus dem „Es war einmal” wird ein „es wird nicht mehr”.