Namen & Neues

JuKuZ contra Kungerkiez, zweite Runde

Veröffentlicht am 15.06.2020 von Thomas Loy

Zwischen der Kungerkiez-Initiative und dem Jugend- und Kulturzentrum Gérard Philipe sind die Fronten weiter verhärtet. „Dass sich offene Jugendarbeit mit Theaterproben nicht verträgt, will mir nicht einleuchten“, sagt Michael Reinhold Schmitz, Vorstand des Kiezvereins. „Was heißt das eigentlich? Ich versuche es mal zu verstehen: Jugendliche mögen also keine Theaterproben und Theaterprobende keine Jugendlichen. Erstens sehen das unsere Jugendlichen im Ensemble (zurzeit zwölf an der Zahl und davon nur wenige aus gutsituierten Verhältnissen) sicher anders. Zweitens sind unsere Ensembles immer offen und spiegeln auch jugendliche Lebenswelten und Themen wider (z.B. Nathan & Lisa, Leviathan). Unsere (Theater-)Arbeit ist auch ein originärer Bestandteil von offener Kinder- und Jugendarbeit (einfach mal im Berliner Handbuch nachlesen!)“

Das Problem aus Sicht von Dorina Thomas, Bereichsleiterin Jugendfreizeiteinrichtungen beim Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg: Der Theatersaal, der von den Schauspielern genutzt wurde, sei gleichzeitig der Raum, in dem sich Jugendliche abends treffen, ein „Schutzraum“, in dem sie unter sich bleiben sollen. „Unsere Jugendlichen warten auf längere Öffnungszeiten in den Abendstunden.“ Dort fänden auch größere Veranstaltungen statt wie Breakdance-Battles oder Jugenddiscos. Künftig will der HvD auch mehr Sportveranstaltungen anbieten.

Die Vorgabe des Bezirks, an 45 Stunden pro Woche Angebote für Jugendliche zu machen, sei zwar „eine Herausforderung“, so Thomas – in anderen Bezirken würden weniger Stunden verlangt. „Aber wir sehen uns in der Lage das zu füllen.“ Bis zum Ende der Sommerferien soll das Angebot ausgebaut sein, man denke an Selbstverteidigung für Mädchen, Upcycling-Workshops oder Urban Gardening. Außerdem werde weiterhin Theater gespielt. Neben dem JuKuZ-Jugendensemble soll auch das Jugendensemble des Kungerkiez e.V. weiter proben und spielen können. Den gemischten Gruppen könne man Zeiten am Sonntag und Montagabend anbieten, doch das sei wenig attraktiv.