Namen & Neues

Sicheres Fahren geht anders

Veröffentlicht am 13.07.2020 von Simone Jacobius

Seit dem 1. Juli ist der neue Pop-up-Radweg am Adlergestell fertig. Mein Kollege Thomas Loy machte bereits eine Testfahrt und berichtete letzte Woche über das negative Ergebnis. Er ist nicht alleine mit seinen Bedenken. Auch andere Radler fragen sich, was das eigentlich soll.

Ist der mit Stolz eröffneten 1. Pop-up-Radweg im Bezirk gar ein Schildbürgerstreich? Vor nicht allzu langer Zeit ist der Fuß-Rad-Weg stadtauswärts fertiggestellt worden. „Fußgänger sieht man dort so gut wie keine“, meint unser Leser Rainer Reichwald. Und die wenigen Fußgänger seien auch erst zu sehen, seitdem die provisorische Bushaltestelle dort steht, durch den Umbau des S-Bahnhofs zum Umzug gezwungen. Im Umkehrschluss heißt das, wenn kein Provisorium mehr da, dann auch keine Fußgänger – dafür aber ein teurer Fußweg.

Wären die Radfahrer nicht sicherer auf diesem Fuß-Rad-Weg aufgehoben, wo nicht die Autos dran vorbeisausen? „Der Geh-Radweg war bzw. ist mit etwa einem Meter nutzbare Breite untermaßig und dem Grunde nach weder für eine sichere Verkehrsführung von Fußgänger*innen, was hier auf Grund der geringen Frequenz weniger relevant ist, noch für Radfahrer*innen und erst recht nicht für eine gemeinsame Führung geeignet“, hält Baustadtrat Rainer Hölmer dagegen. Er verweist auf das Berliner Mobilitätsgesetz, § 43 (1): „Auf oder an allen Hauptverkehrsstraßen sollen Radverkehrsanlagen mit erschütterungsarmem, gut befahrbarem Belag in sicherem Abstand zu parkenden Kraftfahrzeugen und ausreichender Breite eingerichtet werden. Diese sollen so gestaltet werden, dass sich Radfahrende sicher überholen können. Aus Sicherheitsgründen sollte sowohl auf gemeinsam geführte Geh- und Radwege als auch auf zur Nutzung durch den Radverkehr freigegebene Gehwege möglichst verzichtet werden.“

Radwege sollten also eine Mindestbreite von zwei Metern haben. Zur Höhe der Kosten für den temporären Radweg kann Hölmer derzeit nichts ausgesagt werden, da die zuständigen Sachbearbeiter nicht im Dienst sind. Aber so viel kann er sagen: Das Geld dafür kam aus Mitteln der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die explizit der Errichtung von Radverkehrsanlagen dienen und nicht allgemein zur Sanierung von Straßen zur Verfügung stehen.

Übrigens hat Berlin seit Januar 2017 gerade mal 99,2 Kilometer Radwege geschaffen – und das bei einer Steigerung der Radlerzahl um 25 Prozent. Aber wer denkt, die meisten seien in den Innenbezirken entstanden, täuscht sich. Die Außenbezirke liegen vorne und da – Tusch, Fanfare, Trärä – Treptow-Köpenick mit einer Länge von 17,5 Kilometern. Für alle, die es genauer wissen wollen: Meine Kollegin Sabine Beikler hat die Einzelheiten hier zusammen getragen.