Namen & Neues

David gegen Goliath – Pflastersteine gegen Radweg

Veröffentlicht am 27.07.2020 von Simone Jacobius

Als kleine Davids fühlen sich die Anwohner der Straße Am Goldmannpark in Friedrichshagen. Das waren die mit dem historischen Pflaster, dass jetzt trotz Denkmalgebiet einem profanen Asphalt weichen soll. Hier hatte ich berichtet.

Diese historische Straße mit altem, gesundem Baumbestand, werde ohne Notwendigkeit dauerhaft zerstört, da hier unter Bezugnahme auf das Mobilitätsgesetz die Radweg-Situation verbessert werden solle, sagt Anwohner Thomas Berger. Die geplante Asphaltierung verstöße zudem gegen das Mobilitätsgesetz des Landes Berlin, wonach die Versiegelung von Flächen bei solchen Maßnahmen zu verhindern sei. Hier würden jedoch großflächig Versickerungsflächen versiegelt.

Seit Wochen mahnen die Anwohner zudem den Schutz der Bäume an. Nach Aussage von Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) soll es eigentlich eine ökologische Baubetreuung geben: „Dabei wird insbesondere der Schutz der Bäume im Wurzelbereich eine wesentliche Rolle spielen.” Doch die Realität sehe anders aus, sagt Anwohner Berger: „Die Wurzeln der sieben 65-98 Jahre alten Bäume sind zum Teil stark beschädigt worden und trocknen seit über einer Woche ungeschützt aus, was ein Verstoß u.A. gegen das Bundesnaturschutzgesetz ist.“

Angst um Baumsterben. Berger fragt sich: Wo sind die Baumschutzbeauftragten und wer haftet dafür, wenn die Bäume in drei bis fünf Jahren als Spätfolge absterben? Vom Baustadtrat erhielt ich bis Redaktionsschluss des Newlsletters leider keine Antwort dazu.

Auch an anderen Stellen hakt es. Die Protestler wollen nämlich einen Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz festgestellt haben. Soll heißen: Die Bauarbeiter würden den Müll nicht richtig trennen und zudem reiche die Kapazität nicht aus. Trotz Nachfrage gebe es keinen zusätzlichen Container, sagen die Anwohner.

„Die Liste der Unterlassungen und Schlampereien ist noch länger”, sagt Berger. „Ehrlich gesagt sind wir nun zunehmend ratlos – an wen können wir uns hier noch wenden? Mögliche Ordnungswidrigkeiten seitens des Bezirksamtes / des Stadtrates beim Bezirksamt (Ordnungsamt) anzeigen – das ist doch ein Interessenkonflikt per se.” Dieses Gefühl der Ohnmacht – David gegen Goliath – was sich in ihnen allen ausbreite, sei sehr frustrierend.

Aber die Anwohner wollen nicht als notorische Meckerer dastehen. So fügt Berger im Namen der Nachbarn hinzu: „Wir sind für eine sichere Verkehrsführung, für den Ausbau zukunftsfähiger Verkehrswege und die Umsetzung von Verkehrskonzepten (die es hier lt. Stadtrat Hölmer nicht gibt) und für gute Radwege. Aber was hier geschieht, ist weit entfernt von alledem.”

Ein kleiner geschichtlicher Exkurs: In der biblischen Geschichte David gegen Goliath hat der kleine David den großen Krieger Goliath besiegt. Wenn das nicht Hoffnung macht.