Namen & Neues

Güterbahnhof Köpenick: Privateigentümer haben sich erfolgreich gewehrt

Veröffentlicht am 14.09.2020 von Thomas Loy

Autotiefgaragen sind nicht vorgesehen, Fahrradtiefgaragen wären im neuen Quartier aber durchaus eine Option, sagte Dirk Ohm, Geschäftsführer des IVAS-Büros für Verkehrssysteme aus Dresden. 20 Minuten hatte er Zeit, um die Verkehrslösungen im neuen Stadtquartier am Güterbahnhof zu erklären, dann erscholl ein wuchtiger Gong, und die interessierten Bürger wanderten in den nächsten Raum einer alten Backsteinhalle des ehemaligen Gaswerks Köpenick.

Info-Café nannte sich die Veranstaltung am Freitag, allerdings wurde für die Besucher nur Wasser ausgeschenkt. Erschienen waren der neue Bausenator Sebastian Scheel von den Linken und Bezirksbürgermeister Oliver Igel von der SPD (Foto). Scheel lobte das gute Einvernehmen mit dem Bezirk, Igel lobte die Inhalte des Vorhabens. Das Entwicklungsgebiet mit rund 1800 neuen Wohnungen, drei Schulen, Kitas, Kunsträumen, einem Kiezclub und einer Bibliothek werde „die soziale Infrastruktur der Umgebung erheblich stärken“ und auch die Verkehrssituation verbessern.

Damit ist vor allem der östliche Teil der geplanten Ost-West-Straße gemeint, zwischen der Kreuzung Bahnhofstraße/Stellingdamm und Brandenburgplatz. Die zweispurige Straße soll ein Stück auf dem Stellingdamm verlaufen und dann nach Süden abknicken, etwa auf Höhe der Hirtestraße, von dort am Bahndamm entlang, anschließend die Gleise kreuzen (per Brücke oder Tunnel, ist noch unklar) und weiter nach Süden bis zum Brandenburgplatz führen. Am S-Bahnhof Köpenick und am Brandenburgplatz sollen je ein Mobilitäts-Hub entstehen, also ein Parkhaus für die Bewohner, mit Ladesäulen, Leihautos, Paketdienst etc. Im Quartier sollen, so wünschen es sich die Planer, keine Autos auf den Straßen stehen. Vorbild ist das geplante Schumacher-Quartier auf dem Flughafen Tegel.

Westumfahrung nach Ostumfahrung. Ein Stadtplaner kritisierte, dass die Planungen den übergeordneten Verkehr außer Acht ließen, also die notorisch überlasteten Knotenpunkte Bahnhof-/Lindenstraße und die Allendebrücke. Ohm konnte dem nur ein wortreiches Schulterzucken entgegenhalten. Und den Hinweis, dass ja die geplante Westumfahrung Bahnhofstraße irgendwann Abhilfe schaffen werde. Diese Straße war mal als vierspurige Schnellstraße zwischen An der Wuhlheide und Kreuzung Bahnhofstraße/Stellingdamm geplant, verschwand aber nach heftigen Protesten in der Schublade. Jetzt soll erst die Ostumfahrung gebaut werden, parallel zur Quartiersentwicklung (Baubeginn offen), danach kommt die eigentliche Entlastungsstraße, wahrscheinlich auch nur noch zweispurig.

Entwicklungsgebiet verkleinert. Ganz nebenbei kam am Freitag heraus, dass das Entwicklungsgebiet um ein paar wichtige Flächen verkleinert worden ist. Offenbar hat der heftige Widerstand einiger Eigentümer – bis hin zur Normenkontrollklage – gewirkt. Schon vor anderthalb Jahren einigte sich der Eigentümer des Netto-Markt-Grundstücks an der Seelenbinderstraße, Christian Maier (siehe Tagesspiegel-Artikel von 2017), mit dem Senat auf einen Kompromiss. Sein Grundstück wurde vom Entwicklungsgebiet ausgenommen, damit konnte er nicht mehr gezwungen werden, es zum niedrigen Bodenrichtwert an den Senat zu verkaufen, für 110 Euro pro Quadratmeter.

Im Gegenzug verkaufte der Unternehmer sein Grundstück einem Konsortium, an dem auch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft beteiligt ist. „Man hat sich auf ein Konzept verständigt, das den Zielen der Entwicklungsmaßnahme entspricht“, erklärte Sabrina Böttcher von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Der Kaufpreis war für Maier offenbar zufriedenstellend. „Nach langem Tauziehen wurde ein guter Kompromiss gefunden“, sagte er auf Anfrage. Auf seinem Grundstück sollen nun Wohnungen gebaut werden, ursprünglich war dort ein Schulstandort geplant. Im Erdgeschoss wird wieder ein Netto-Markt einziehen.

Gewerbegebiet funktioniert. Ausgenommen aus dem Entwicklungsgebiet wurden auch Gewerbeflächen nördlich der Seelenbinderstraße, wie Böttcher bestätigte. „Wir haben festgestellt, dass das Gewerbegebiet schon gut funktioniert.“ Da habe es also keinen Sinn mehr gemacht, es zum Entwicklungsgebiet zu erklären. Für die Flächeneigentümer fällt ebenfalls der Zwang zum Verkauf weg, den Maier 2017 als „kalte Enteignung“ brandmarkte. Auf Nachfrage, um wie viele Hektar sich das Entwicklungsgebiet nun verkleinert habe, verwies die Senatsverwaltung am Freitag zunächst auf ihre offizielle Projektseite. Dort ist weiterhin von 58 Hektar die Rede. Eine nochmalige Nachfrage ergab: Es sind inzwischen nur noch rund 50 Hektar. – Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

+++ Dieser Text  von Thomas Loy erschien zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Treptow-Köpenick. Die Tagesspiegel-Newsletter für die einzelnen 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de +++

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