Namen & Neues

Funkhaus Grünau: Transparent sorgt für Streit

Veröffentlicht am 02.11.2020 von Thomas Loy

Der Verein Zukunft in Grünau versucht derzeit, mit gewöhnlichen und ungewöhnlichen Methoden Licht in die Baupläne am Funkhaus Grünau zu bekommen. Ende Oktober wurde der Verein von einem Anwalt der „Thomas J.C. Matzen GmbH“ abgemahnt. Dabei geht es um ein Transparent, das am Zaun des Funkhauses angebracht wurde: „Der Eigentümer kümmert sich um den Erhalt. 12 Jahre Vernachlässigung und Spekulation müssen sofort ein Ende finden!“ Auf dem Banner wird der Eigentümer namentlich genannt, ergänzt um seine Büro- und Mobilnummer. Das ist eine rechtlich gesehen grenzwertige Methode, die auch als Nötigung gewertet werden kann.

Mobilnummer veröffentlicht. Der Anwalt erklärt zudem, die Matzen GmbH sei gar nicht der Eigentümer der Regattastraße 273-277, sondern eine gewisse Laho Landart GmbH. Bis Montag, 2. November, um 18 Uhr müsse das Transparent entfernt sein. Am Freitag war es jedenfalls noch via Facebook abrufbar. Ich habe mal bei der Mobilnummer des Herrn Matzen durchgeklingelt und niemanden erreicht. Im Büro meldete sich eine freundliche Stimme, doch der gewünschte Rückruf blieb leider aus.

Gefahr im Verzug? Am 27. August fragte Nils R. Schultze, der sich für die Baudenkmäler im Bezirk engagiert, in der BVV, wie das Funkhaus vor dem Verfall geschützt werde. Das Gebäude werde einmal im Jahr begangen, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD), es fehle derzeit an einem Investor, der das Gelände kaufen möchte. Problem ist laut Schultze vor allem der Keller mit einer alten Ölheizung, der voll Wasser gelaufen sei. Dieser Sache wolle er nachgehen, sagte Hölmer. Der Bezirk sieht für das Grundstück eine „wassersportliche Nutzung“ vor. Zuletzt wurde das Funkhaus von Künstlern genutzt, die aber 2013 ausziehen mussten.

Geschichte des Hauses. Das Funkhaus Grünau wurde nach dem Krieg auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration eingerichtet. Am 1. Mai 1947 ging es in Betrieb. Das Gebäude beherbergte vorher das Wassersporthaus der Dresdner Bank und der Allianz-Versicherung. Während des Krieges diente es als Lazarett. Neben technischen Räumen zum Schneiden von Beiträgen gab es drei Regieräume und einen Schaltraum. Der Saal für Musikaufnahmen war jedoch akustisch so mäßig, dass man bald in den großen Saal des Gesellschaftshauses Grünau wechselte. Text: Thomas Loy, Foto: Kitty Kleist Heinrich
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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Treptow-Köpenick.
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