Namen & Neues

Bezirksverordnete verordnen Pilotprojekt: Leben ohne eigenes Auto

Veröffentlicht am 01.02.2021 von Thomas Loy

Das Bezirksamt soll im Rahmen eines Pilotprojekts die Treptower und Köpenicker dazu anregen, temporär auf das eigene Auto zu verzichten. Im Gegenzug sollen alternative Mobilitätsangebote wie Carsharing und der öffentliche Nahverkehr zur Verfügung stehen. Der Antrag der Grünen-Fraktion wurde auf der Bezirksverordnetenversammlung am 21. Januar beschlossen, mit einer Zweidrittelmehrheit.

Vorbild des Antrags ist das Projekt „Neue Mobilität Berlin“. 2016 wurden Anwohner zweier Plätze in Charlottenburg gebeten, ihr Auto für zwei Wochen woanders zu parken und es möglichst nicht mehr zu nutzen. Ein Jahr später beim Projekt „Sommerflotte“ sollten sie ihre Autoschlüssel einen Monat lang abgeben. Die Projekte wurden natürlich sehr kontrovers diskutiert, noch kontroverser war das Experiment vom vergangenen Oktober, als eine Kreuzung für den Verkehr gesperrt wurde. Das Ziel ist immer das gleiche: Weniger Autos in der Stadt, dafür mehr Carsharing, Radfahren und ÖPNV-Nutzung.

Dauerhafte Trennung vom eigenen Auto. „Viele Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, wie effizient und einfach in der Nutzung diese Mobilitätsangebote sind“, erklärt Claudia Schlaak, Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecherin der Grünen. „Sobald sie sich mit diesen vertraut machen, trennen sich viele sogar von ihrem Pkw“. Nach Abschluss der Sommerflotte hätten 29 Prozent der Teilnehmenden angegeben, sich dauerhaft von ihrem privaten Auto trennen zu wollen. Ob sie es dann auch geschafft haben, ist allerdings nicht überliefert.

Charlottenburg ist nicht Treptow-Köpenick, dennoch möchten die Grünen auch im Südosten „den enormen Platzverbrauch durch parkende Kraftfahrzeuge reduzieren und somit die urbane Lebensqualität verbessern“. Wegen der hohen Verkehrsbelastung eigneten sich die Altstadt Köpenick oder Friedrichshagen für das Pilotprojekt. „Der Bezirk muss jetzt so schnell wie möglich alle relevanten Akteure an einen Tisch bringen, damit das Projekt noch in 2021 beginnen kann“, sagt Schlaaks Fraktionskollege Jacob Zellmer.