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Nach Evakuierung in Köpenick: Bauherr sieht menschliches Versagen als Ursache
Veröffentlicht am 08.02.2021 von Simone Jacobius
18 Häuser wurden evakuiert, 360 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, nachdem vergangene Woche eine Baugrube in Köpenick mit Wasser vollgelaufen war. Am Donnerstag hat das Verwaltungsgericht Berlin einen Eilantrag des zuständigen Bauträgers an der Pohlestraße abgelehnt. Die Nachbargebäude des Neubaus gelten seit Sonntag als einsturzgefährdet. Seitdem beglückt uns die Pressestelle des Bezirks täglich mit Updates zum Bauvorhaben und auch der Bauherr hatte zu einer virtuellen Stellungnahme geladen. Wer wann welche Fehler gemacht hat oder machen wird – noch ist kein Licht im dunklen Bautunnel.
Mit dem Eilantrag sollte verhindert werden, dass die Baugrube stellenweise mit Beton verfüllt wird. Er halte das Einbringen von Pfählen und Erde unter das Fundament für ausreichend, sagte Geschäftsführer Stefan Schepers vom Bauträger „Köpenick 4 You GmbH & Co KG” (nicht wie ursprünglich gedacht die Berliner Sparkasse oder die BSK Immobilien GmbH). Schepers stritt vehement ab, dass der beauftragte Generalunternehmer zu tief gegraben und somit das Fundament des benachbarten Hauses untergraben hätte. Die Flutung der Baugrube sei bereits am 19. November passiert, als ein maroder Hydrant platzte und sich das Wasser in die Grube ergoss. Mit Hilfe einer Verschalung sollte das Wasser aus der Grube und vom Nachbarhaus weg gehalten werden. Doch genau die hatten Bauarbeiter weggeräumt. „Wir gehen definitiv von menschlichem Versagen der Baufirma aus“, so Schepers.
Bis auf die Pohlestraße 7 und 11 sind inzwischen alle Häuser wieder bezogen. Doch 45 der ursprünglich 360 Betroffenen können immer noch nicht in ihrer Wohnungen zurück. Bei der Suche nach der Ursache schieben sich Behörden und Bauträger gegenseitig die Schuld zu. Die Bauaufsicht war erst drei Tage vor dem Auftreten der Risse vor Ort und hätte keine Veränderungen erkennen können, die ein sofortiges Handeln erforderlich gemacht hätten, heißt es aus dem Bezirksamt.
„Ich ärgere mich schwarz über den Zirkus in der Nacht mit dem die Menschen aus ihren Häusern getrieben wurden, obwohl es nicht nötig war. Und auch über die Weigerung des Bezirksamtes, die Schäden jetzt schnell zu beheben“, so der Bauträger. Schepers bezeichnet die Aussagen von Bezirksbürgermeister Oliver Igel schlichtweg als falsch. „Das Haus Pohlestraße 7 war nie von Schäden betroffen und Nummer 11 galt nie als einsturzgefährdet“, sagte er. Igel & Co. hätten lieber erstmal Ursachenforschung betreiben sollen, so hätten die Evakuierung, die Kappung der Versorgungsleitungen und der spektakuläre Einsatz des THW vermieden werden können.
Seit Samstag wird die Baustelle bereits verfüllt. Ein großer Kran soll 400 Tonnen Füllmaterial einbringen, was etwa drei bis vier Tage dauere. „Unmittelbar nach dem Ende der Verfüllarbeiten wird der vom Bezirksamt beauftragte Tragwerksplaner eine neuerliche Einschätzung zum Zustand der unmittelbar an die Baugrube angrenzenden Nachbarhäuser treffen und über die Begehbarkeit der Häuser entscheiden“, heißt es aus dem Bezirksamt. Hoffen wir mal, dass die Bewohner schnell wieder in ihr hoffentlich sicheres Zuhause zurückkönnen.