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Viel Kritik an Radschnellwegplanung der Infravelo

Veröffentlicht am 10.05.2021 von Thomas Loy

Dem Kollegen Boris Buchholz aus Steglitz-Zehlendorf ist vor ein paar Wochen die interne Planung der Infravelo zum geplanten Radschnellweg am Teltowkanal in die Hände gefallen. Brisante Fakten sind darin zu lesen.

  • Der Platz für die Fußgänger schrumpft. In der Machbarkeitsstudie der Infravelo wird von einer 7,50 breiten Gesamttrasse des Fahrradschnellwegs ausgegangen: Auf vier Metern dürfen die Fahrradfahrer rollen, drei Meter sind für Spaziergänger, Kinderwagen, Rollatoren und Jogger vorgesehen. In der ersten Detail-Planung schrumpft der Fußweg auf eine Breite von 2,70 Meter, in diversen Abschnitten sogar auf nur 2,20 Meter. Auf der gesamten Radroute am Teltowkanal würden rund 270 Bäume fallen.
  • Fußgänger spazieren in zweiter Reihe. Die Radler fahren direkt am Wasser. Die Fußgänger müssten sich mit der Landseite begnügen.

Was für die westliche Teltowkanalroute gilt, wird auch bei uns auf der östlichen relevant, die Teil der Y-Trasse ist: Die „Standards“ der Schnellwegverbindungen sehen einen separaten, vier Meter breiten Radweg vor, daneben soll es dann noch rund 2,5 Meter Platz für Fußgänger geben, unter den Brücken wird es enger, weil die Böschung zu knapp bemessen ist.

  • Bahndamm soll asphaltiert werden. In der weiteren Führung soll der Radschnellweg Y-Trasse auf dem östlichen Abzweig auf dem Görlitzer Bahndamm bis zum Görlitzer Park verlaufen, ebenso vier Meter breit asphaltiert. Dafür müssten viele Bäume und Sträucher weichen. Der Bezirk hatte daran Kritik geübt und favorisiert eine Trasse entlang der Kiefholzstraße. Wahrscheinlich wird eher diese Variante kommen.

Von der auto- zur fahrradgerechten Stadt? Der Sprecher des Fußgängervereins „Fuss“, Roland Stimpel, kritisiert die Planungen der Infravelo als fußgängerunfreundlich. Nur noch zwei Meter Spazierweg? „Da ist Begegnung nur im Gänsemarsch möglich – jeder spaziert am besten für sich allein.“ Bisher sind alle Nutzer auf dem vier Meter breiten Asphaltband am Teltowkanal gleichberechtigt, jeder muss Rücksicht nehmen. Deutliche Kritik kommt auch vom Taz-Journalisten Stefan Alberti, der sich als Viel-Radfahrer outet: „Was aber derzeit in Sachen Radschnellweg am Teltowkanal geplant ist, dem Premiumprojekt der grünen Senatsverwaltung für Verkehr für solche Verbindungen, erinnert an ein Vom-Regen-in-die-Traufe-kommen: Da könnte auf den Wahn der autogerechten Stadt der 60er und 70er Jahre nun die fahrradgerechte Stadt folgen – auf Kosten von Fußgängern, Läufern, Kinderwagenschiebern, Skatern und 270 Bäumen.“