Namen & Neues
Schildbürgerstreich in Müggelheim
Veröffentlicht am 31.05.2021 von Simone Jacobius
Seit 30 Jahren parken die Anwohner der Odernheimer Straße ihre Autos auf dem sehr breiten Seitenstreifen. Damit soll jetzt Schluss sein. Plötzlich tauchte das Ordnungsamt auf und machte die Anlieger darauf aufmerksam, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Die Forderung: Die Anwohner sollten ihre Autos bitte ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand abstellen, wie es die Straßenverkehrsordnung verlangt.
Inzwischen sind auch schon die ersten „Knöllchen” geschrieben. Um es kurz zu machen: Das Ende vom Lied war, dass der Bus an dem Tag, als alle Autos auf der Straße parkten, nicht mehr die Odernheimer Straße entlang fuhr. Die BVG-Fahrer weigerten sich, weil sie nicht mehr zwischen den parkenden Autos hindurchkamen.
Alles rechtens, bestätigte dem Tagesspiegel Rainer Hölmer (SPD), der auch Stadtrat für Öffentliche Ordnung ist. Der von den Anwohnenden zum Parken genutzte Seitenstreifen ist definitiv nicht befestigt, wie das Bezirksamt auch nach einer nochmaligen Begehung feststellte. Somit ist zum Parken der rechte Fahrbahnrand zu nutzen, argumentiert Hölmer.
Zwischenzeitlich hatten die Anwohner die Hoffnung, dass es ein Gewohnheitsrecht gäbe. Schließlich würden sie bereits seit 30 Jahren so parken. Das Ordnungsamt kann mögliche Irritationen der Betroffenen nachvollziehen, die sich auf die Verbindlichkeit eines „Gewohnheitsrechts“ verlassen haben. „Prinzipiell ist aber festzustellen, dass auch jahrelang praktizierte Parkgewohnheiten weder bestehende Rechtsgrundlagen noch ihre Durchsetzung nichtig machen”, heißt es vom Stadtrat. Und noch etwas ist ihm wichtig: Es ging „zu keinem Zeitpunkt um eine Schikane der Anwohnenden”.
Damit die Busse auch weiter fahren können, darf jetzt gegenüber einem bereits parkenden Auto kein weiteres auf der Gegenfahrbahn abgestellt werden. Denn die Straße ist eigentlich zu schmal ausgelegt. Hoffen wir jetzt mal auf die virtuosen Fahrkünste der Buslenker, denn das wird nun die reinste Slalomfahrt. Der Vorteil: Eine automatische Verkehrsberuhigung der Straße ist in der neuen Parkregelung eingebaut, ein „Durchbrettern” ist nicht mehr möglich. Immer wieder nötigen parkende Autos und Gegenverkehr die Autos zum langsamen Fahren oder Stehenbleiben. Was die Lage aber für Radfahrer und kreuzende Fußgänger nicht gefahrloser macht.
Nun warten alle Müggelheimer gebannt, welche Straße als nächsten auf dem Kieker der OA-Mitarbeiter steht. Denn auf den Seitenstreifen zu parken, ist im Kiez bei den schmalen Straßen gang und gäbe. In der Odernheimer Straße rollen die Busse inzwischen wieder – schön im Slalom.