Namen & Neues

Miserabler Schutz für die schwächsten Verkehrsteilnehmer

Veröffentlicht am 26.07.2021 von Simone Jacobius

Dieses Fazit hat jetzt Changing Cities in seiner Jahresbilanz für 2020 gezogen.  In dem Jahr wurden in Berlin wieder mehr als 10.000 Menschen im Straßenverkehr verletzt, nicht wenige davon schwer. 50 Personen starben, davon waren jeweils 19 Fußgänger*innen und 19 Radfahrende. Bei etwa der Hälfte dieser tödlichen Kollisionen waren Lkw-Fahrer*innen beteiligt, fast alle fanden an Hauptstraßen statt.

In Treptow-Köpenick starben sechs Menschen. Changing Cities hat Unfallkarten für Gesamtberlin und die zwölf Bezirke erstellt. Es lohnt sich, sie einmal anzusehen. In Karolinenhof, Schmöckwitz und Rauchfangswerder hat es danach am wenigsten gekracht. Baumschulenweg und Niederschöneweide am häufigsten.

„Wenn man sich die Unfallkarten von Berlin anschaut, wird einem wirklich mulmig. An jeder Ecke, überall in der Stadt werden Menschen im Verkehr verletzt. Vor allem die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten in Berlin steigt seit zwei Jahrzehnten. Wenn man bedenkt, dass die technische Sicherheit von Fahrzeugen in diesem Zeitraum enorm verbessert wurde, zeigt dieser Anstieg das absolute Versagen der Verantwortlichen. Vision Zero in Berlin heißt de facto Vision 10.000 (Tote und Schwerverletzte) – und wirksame Maßnahmen dagegen sind nicht in Sicht“, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Im Tagesspiegel-Podcast „Gradmesser” plaudert Ragnhild Sørensen darüber, warum die Verkehrswende in Berlin trotz Mobilitätsgesetzes nicht vorankommt. Ihr Fazit: In Deutschland sind selbst die Verkehrsplaner auf das Auto optimiert. Und das gilt auch für die Berliner Verwaltung in den Bezirken. Es gibt aber auch Beispiele, wo es gut läuft. Davon, und was sich ändern muss, erzählt Sørensen hier im Tagesspiegel-Klimapodcast.