Kiezgespräch
Veröffentlicht am 04.03.2019 von Thomas Loy
„Wunderschön dunkel fließt unser Köpenick in’s Glas. In der Nase satte Kirsche, etwas Wildes und dunkle Schokolade. Beerig, voll und kraftvoll am Gaumen mit großer Finesse, etwas Vanille, ohne Störende Säure oder Gerbstoffe!“ Jetzt also auch noch Rotwein. Mal von der Petitesse eines falschen Apostrophs abgesehen, möchte ich den inflationären Gebrauch der Herkunftsbezeichnung „Köpenick“ zu Werbezwecken mal ausdrücklich rügen. Es ist schön, wenn Heimatliebe und Heimatstolz gedeihen, aber einer Weinrebe bin ich am Müggelsee noch nicht begegnet. Die Firma „Wundervino“ aus der Köpenicker Altstadt klärt denn auch den Etikettenschwindel auf: Der rote Köpenick stammt aus der Pfalz, ein Cuvée. Nun, es ist Karneval, da mag sowas noch angehen, aber langfristig würde ich empfehlen, einen echten Weinhang anzulegen. Irgendwo in den Müggelbergen müsste doch eine Südlage schlummern. Den Kreuzberger Spätburgunder sollten wir ohne Weiteres toppen können. Und eine Weinkönigin findet sich auch.