Kiezgespräch

Veröffentlicht am 17.02.2020 von Thomas Loy

Paul Neszery wurde am 2. Januar 1927 in Berlin geboren, im gleichen Jahr wie mein Vater, sein Leben endete aber schon nach 13 Jahren. Die Nazis ermordeten ihn im Juni 1940 im Schloss Hartheim bei Linz, das seit 1898 zur Unterbringung von Menschen mit Behinderung diente. 1940 begann dort die Mordmaschinerie, was heute als „NS-Euthanasie-Aktion T 4“ bekannt ist. Den Angehörigen wurden die Urnen mit falsch deklariertem Totenschein übersandt. Möglicherweise hatte Paul keine Angehörigen mehr, seine Urne wurde im anonymen Sammelgrab auf dem Friedhof Altglienicke beerdigt.

Dort soll in diesem Jahr, voraussichtlich bis September, eine Gedenkstätte mit einer großen Namenstafel errichtet werden, in die auch Pauls Name eingestanzt wird. Nach einer Vorlage, die ich im Rathaus Köpenick geschrieben habe (es werden weitere Paten gesucht, nächster Termin ist am 9. März). Das verbindet uns nun, ist die Basis meiner Patenschaft für Paul, von dem ich nichts weiter weiß außer den wenigen Daten, die überliefert sind. Dennoch werde ich hoffentlich ab und an an ihn denken, mir sein Leben ausmalen, sein Gesicht, sein Lachen. Auf jeden Fall werde ich an dein Grab kommen, Paul, wenn die Gedenkstätte eingeweiht ist. Versprochen.