Kiezgespräch
Veröffentlicht am 28.09.2020 von Thomas Loy
So, und jetzt zu Andi Scheuer und der SPD in TreKö. Nach den letzten Regentagen hat der Herbst auch gefühlt begonnen, demnächst beenden die Wassersportler und Partyflößer ihre Open-Air-Saison, damit dürfte sich auch das Sommerthema Krach auf dem Wasser vorerst erledigt haben. Als kleine Gischtfontäne möchte ich aber noch das Statement des obersten Sachwalters für Wasserstraßenfragen, Verkehrsminister Andi Scheuer (CSU), hinterherschicken. Weil das Lärmthema auch an der Havel in Spandau zu den sommerlichen Aufregerthemen gehörte, hatte der dortige SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz bei Scheuer angefragt, was er zu tun gedenke und Post von dessen Staatssekretär bekommen, alles Weitere lesen Sie bei meinem Kollegen Andrè Görke im Spandau-Newsletter.
Scheuer hat auch ein gehöriges Wörtchen mitzureden, wenn SPD-Bezirksverordnete in TreKö mal flugs einen Linienverkehr auf dem Wasser etablieren möchten, um den Pendlern aus Wendenschloss und Grünau aus dem Stau zu helfen. Denn auch wenn Fahrgastschiffe, wie Steffen Sambill und Edwin Hoffmann schreiben, mit 25 bis 35 Kilometern pro Stunde durchs Wasser pflügen könnten, sie dürften es nicht, weil in der Bundeswassserstraßenverordnung klare Temporegeln vorgegeben sind: Für den Müggelsee sind das 25 km/h, für Dahme und Spree und Landwehrkanal aber nur 10. Die Stunde Fahrzeit, die Sambill und Hoffmann für einen Trip auf ihrer „Expressfähre“ in die Innenstadt veranschlagen, dürfte sich also mal schnell verdoppeln.
Charmante Idee, aber unrealistisch. Viele Leser haben sich zu dem Vorschlag gemeldet. Ralph Weil vom Yachthandel Berlin hat seine Frau schon mal mit dem Boot zur Arbeit am Alexanderplatz gefahren. „Grundsätzlich ist das eine charmante Idee, leider haben die Antragsteller es wohl übersehen sich über die Gegebenheiten und Distanzen zu informieren. Die Strecke zwischen Wendenschloss und der Schleuse Mühlendamm an der Museumsinsel beträgt 24 km, bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h auf der Spree (genauer Spree Oder Wasserstraße) sind das 2 Stunden 20 Minuten als reine Fahrtzeit ohne eventuelle Zwischenhalte. Touristisch interessant, aber für Berufspendler wenig attraktiv. Soll die Fahrt noch bis zum Schiffbauerdamm gehen, käme durch die Schleusung sicherlich nochmal eine Stunde hinzu.“
10 km/h seien ungefähr so schnell wie ein Jogger am Ufer, sagt Wolfram Küther und weist darauf hin, dass die zunehmenden Niedrigwasserstände das Schleusen weiter verzögern würden. „Aber ich habe auch noch ’ne Idee : Schwebebahn à la Wuppertal über den Kanälen – vielleicht komme ich mit dieser Idee auch in die Zeitung?“ Na klar! Andreas Richter, Vater von zwei Kanuten-Kindern, weist auf die schon jetzt mit Wassersportlern und Freizeitkapitänen überfüllten Wasserstraßen hin. Und: „Der Wellenschlag von im Linienverkehr fahrenden Schnellbooten dürfte das Aus für die noch
viel umweltfreundlicheren handbetriebenen Sportboote bedeuten. Das
Schifffahrtsamt kann sicher auch sagen, ob die Uferbefestigungen das
langfristig überhaupt aushalten.“
Wassertaxis für Theaterfreunde? Es gibt aber auch positive Stimmen, etwa die von Inge Burmeister aus Köpenick: „In Wendezeiten fuhren für kurze Zeit Dampfer von Friedrichshagen zum Humboldthain. Eine feine Sache für alle, die den anderen Stadtteil mal schnell erkunden wollten. Leider wurde die neue Linie bald wieder eingestellt. Und schon gab’s eine neue Idee: Wassertaxis. Wir Theaterfreunde waren begeistert! Aber neue Ideen werden in Berlin prinzipiell von Landschnecken geprüft. Das dauert“, (dazu auch mein Tagesspiegel-Bericht von 2018). Vielen Dank an alle Leserbriefschreiber – nicht alle Zuschriften konnte ich hier wiedergeben.
Und Sambill erklärt auf meine Nachfrage: „Der Antrag verfolgt natürlich ein langfristiges Ziel, welches lautet, dass wir den bestehenden ÖPNV landseitig durch „Expressfähren“ auf dem Wasser unterstützen und entlasten. Eine Verbindung von Köpenick nach Steglitz oder gar Charlottenburg ist deshalb m.E. nicht sofort umsetzbar und bedarf vieler Änderungen und Anpassungen an die bestehenden Regelungen und die vorhandene Infrastruktur.“ Und schon ist wieder Andi Scheuer im Spiel. Vielleicht lädt ihn die SPD mal zu einer Schiffstour ein, um alle Details zu besprechen.
+++ Diesen Text von Thomas Loy haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Treptow-Köpenick entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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