Nachbarschaft

Veröffentlicht am 05.03.2018 von Thomas Loy

Werner Saft, 75, Rathaus-Pförtner im Ruhestand.

Weibliches Doppel. Zehn Jahre lang hat Werner Saft die Pforte des Rathauses Köpenick bewacht. Tageweise als Rentner, auf 450-Euro-Basis. Was ihm besonders gefallen hat, sind die vielen Trauungen, die er miterlebt hat. Besonders augenfällig waren zwei in traditionelle Hochzeitskleider gewandete Frauen, beide hochschwanger. Eine Doppelhochzeit, dachte sich Werner Saft, wie schön. Aber wo sind die Männer? Es stellte sich heraus, dass die Frauen selbst das Hochzeitspaar waren.

Online-Dating. Manchmal standen schon früh um Sechs, wenn das Rathaus öffnet, zwei Dutzend heiratswillige Männer vor der Tür, um sich einen Wunschtermin zu sichern. Das wurde dann oft als Überlastung des Standesamts fehlinterpretiert, sagt Saft. Auch das Bürgeramt sei nicht immer schuld, wenn Bürger keine Termine bekämen. Saft erlebte, dass an einem Tag 40 Termine platzten, weil die Bürger nicht erschienen waren. Sein Vorschlag: eine Schutzgebühr von fünf Euro für jeden geplatzten Termin.

Beamte auf Lebenszeit. Vor seiner Rathauszeit arbeitete Saft in der Sicherheitszentrale des Bundesfinanzministeriums, noch unter Finanzminister Hans Eichel. Damals starben zwei Beamte an ihrem Schreibtisch, erinnert sich Saft, „die haben sich buchstäblich zu Tode gearbeitet“. In Köpenick ist ihm das nicht passiert. 1956 kam Werner Saft mit seinen Eltern nach Berlin, wohnte zuerst in Karlshorst, seit vielen Jahren lebt er in Pankow.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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