Nachbarschaft

Veröffentlicht am 23.04.2018 von Thomas Loy

Sophie Lattke, 25, Studentin und Radaktivistin aus Köpenick, Mitgründerin des „Netzwerk Fahrradfreundliches Treptow-Köpenick“. Sophie Lattke stammt aus Stuttgart, studiert Geoinformatik und arbeitet bei einem „Unternehmen, das sich für den öffentlichen Verkehr einsetzt“. Jeden dritten Mittwoch im Monat trifft sich das Netzwerk um 19 Uhr in der Kiezspindel, Rudower Straße 37, Spindlersfeld.

Treptow-Köpenick, unendliche Weiten zwischen Alt-Treptow am Landwehrkanal und Rahnsdorf am Müggelsee. Das ist doch mit dem Fahrrad gar nicht zu bewältigen. Wie wollen sie die Treptow-Köpenicker denn zum Umsteigen bewegen? 

Das geht eigentlich recht einfach. Wir haben schon ein recht gut ausgebautes Fahrradnetz, viele Radtouristen sind im Bezirk unterwegs. Ich glaube, dass mehr Leute mit dem Rad fahren würden, zur Uni oder zur Arbeit, da haben wir im Bezirk viele Möglichkeiten. Es scheitert aber meistens an der Unsicherheit, weil die Radwege häufig nicht gut befahrbar und die Autofahrer teilweise zu aggressiv sind. Und viele sagen dann: Ich trau mich einfach nicht.

Der ehemalige Fahrradbeaufragte Berlins, Benno Koch, hält die Radwege im Bezirk für unterirdisch. TK sei der „fahrradfeindlichste Bezirk“. Sehen Sie das auch so?

Nein. Klar, es gibt einige Baustellen, an denen gearbeitet werden sollte. An den Hauptverkehrsachsen, da hat man teilweise schlechte oder gar keine Radwege, wie an der Dörpfeldstraße in Adlershof. Aber es gibt natürlich auch viele positive Stellen. Die Radtouristen kommen ja nicht ohne Grund nach Köpenick. Die fahren durch den Treptower Park und den Plänterwald, am Teltowkanal oder um den Müggelsee herum.

Jetzt ist das Radnetzwerk TK gegründet. Sie sind die Sprecherin. Was will das Netzwerk konkret in diesem Jahr noch erreichen?

Wir wollen unsere Initiative auf Märkten und Festen im Bezirk vorstellen und bekannter machen. Wir wollen neue Mitglieder ansprechen, die uns unterstützen. Geplant ist auch, ein Lastenrad-Projekt zu starten. Wir wollen konkrete Vorschläge machen, wo das Wegenetz dringend verbessert werden sollten, wo es gefährliche Kreuzungen oder holprige Radwege gibt, die saniert gehören. Oder eine Mitmach-Aktion zum Thema: Mein Fahrrad kann noch mehr außer von A nach B zu fahren.

Was kann denn so ein Fahrrad noch?

Zum Beispiel Umziehen. Mit Lastenrädern geht das gut. Partys lassen sich mit dem Rad organisieren. Man kann mit den Kids an den Müggelsee fahren oder zum Campen raus nach Brandenburg. Da möchten wir auch Vorschläge aus der Bevölkerung sammeln.

Wohin radfahren Sie denn so?

Manchmal zur Arbeit nach Steglitz, das sind hin und zurück so 40 Kilometer. Oder an einem freien Tag um den Müggelsee. In den Urlaub fahre ich nur noch selten ohne mein Rad. Ich habe zwei Räder, längerfristig sollen es drei werden.

Was hat Sie denn dazu bewogen, in die Köllnische Vorstadt umzuziehen?

Die Köpenicker Altstadt, das Wasser, das Grüne. Ich habe vorher in Wedding und in Friedrichshain gewohnt, habe mich aber nicht wirklich wohl gefühlt. Ich habe dann mal mit meiner Schwester einen Fahrradausflug nach Köpenick gemacht und sofort gesehen: Das ist der Ort, wo ich wohnen möchte.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

Anzeige