Nachbarschaft

Veröffentlicht am 27.08.2018 von Thomas Loy

Karl Hillert, Bildhauer aus Rahnsdorf, 1927 – 2004.

Ein Künstler darf erwarten, dass zumindest seine Kunst die Zeiten überdauert. Und mit seinem Namen fest verbunden bleibt. Bei Karl Hillert ist das nicht der Fall, weswegen seine Witwe Regina Hillert seit Jahren einen schwierigen Kampf mit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf ausficht. Jetzt hat sie einen kleinen Erfolg errungen.

Aber der Reihe nach: Hillert ließ sich Ende der 80er Jahre dazu überreden, ein Denkmal für die Erbauer Marzahns zu entwerfen, das noch heute auf der Marzahner Promenade zu sehen ist, allerdings stehen auf der Bodenplatte zwei Autoren, neben Hillert auch sein Kollege Karl Möpert. Der hatte ihm sein Atelier überlassen und bei den Arbeiten geholfen. Anschließend bat er darum, seinen Namen zu erwähnen. Seitdem werden beide gleichrangig genannt, wenn es um die Autorenschaft geht. Als Möpert 2014 starb, hieß es im Titel des offiziellen Nachrufs des Bezirksamts sogar, der Schöpfer des Denkmals sei gestorben. Von Hillert war keine Rede mehr. Die Mär verbreitete sich im weltweiten Netz, die Witwe beschwerte sich, der Text wurde geändert, aber dafür interessierte sich schon niemand mehr.

Nach Veröffentlichung der Geschichte im Tagesspiegel reagierte bislang nur das Magazin Lichtenbergmarzahnplus.de mit einem „Update“ zum Artikel über Möperts Tod. Der Bezirk sieht offenbar keinen Anlass, eigene Recherchen anzustellen oder zumindest den ursprünglichen Fehler einzuräumen. Jetzt soll eine Plakette am Denkmal angebracht werden. Über den vorgeschlagenen Text ist die Witwe alles andere als glücklich: „Karl Hillert in Zusammenarbeit mit Karl-Günter Möpert“.

Das Foto zeigt Karl Hillert in seinem Atelier. Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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