Nachbarschaft

Veröffentlicht am 11.02.2019 von Simone Jacobius

Daniel Roßbach (r.) und Sebastian Fiebrig (l.), Podcast-Macher zur Historie des 1. FC Union.

Was zeichnet einen wahren Unioner aus. Sind die so wie Sie?

Wow, das ist eine ziemlich große und immer heftig umstrittene Frage. Frag drei Unioner und du bekommst fünf Meinungen dazu. Gerade jetzt, nachdem der Verein in den vergangenen zwei Jahren so viele tausend neue Mitglieder gewonnen hat, ist das eine viel gestellte Frage. Es gibt so etwas wie das Boone’sche Gesetz (entwickelt vom Unionfan Boone), hinter dem sich viele versammeln können:
1. Mache nie einen Spieler zum Sündenbock
2. Pfeife nie die Mannschaft aus
3. Verlasse nicht vor dem Schlusspfiff das Stadion
4. Heiserkeit ist der Muskelkater des Unioners
Wer sich danach verhält, dürfte wohl klar Unioner sein. Aber wir haben auch zuletzt in unserem Union-Podcast Textilvergehen eine lange Episode aufgenommen, in der wir darüber diskutiert haben, wie Wachstum so gestaltet werden kann, dass am Ende auch noch Union drin ist, wo Union drauf steht.

Was für eine Idee steht hinter dem Podcast?

Die Grundidee ist, nicht nur chronologisch die Geschichte von Union nachzuerzählen. Denn dafür gibt es schon viele gute Bücher. Wir wollen interessante Anekdoten erzählen. Unterhaltsame Dinge, die vielleicht auch eine Frage in einem Kneipenquiz sein können. Wir möchten aber auch Unions Geschichte den Menschen näher bringen. So hatten wir kürzlich Unions ersten schwedischen Spieler zum Anlass genommen, um etwas über die erste Saison in den 90ern zu erzählen, in der Union wirklich keine finanziellen Sorgen hatte, aber trotzdem am Ende den Aufstieg verpasste. Union ist seit mehr als zehn Jahren konstant erfolgreich und das ist aus historischer Sicht für den Verein nicht normal. Wir wollen auch zeigen, dass es andere Zeiten gab, sei es durch politische Umstände in der DDR oder durch wirtschaftliche in den 90er Jahren. Außerdem beziehen wir auch die Geschichte der Vorgängervereine mit ein. Das sind dann über hundert Jahre Fußballgeschichte in Oberschöneweide. Bestimmten Verklärungen wie der, Union sei ein Hort des Widerstands in der DDR gewesen, wollen wir auch entgegenwirken. Wenn wir neuen Unionern mit unserem Podcast etwas zum Entdecken an die Hand geben können, wäre das toll. Und wir sind uns sicher, dass sich vielleicht die eine oder andere Geschichte in der Union-Geschichte findet, die auch Alt-Unioner noch nicht kennen. Unser Podcast hat übrigens ein Vorbild, nämlich den Geschichtspodcast „Zeitsprung“, den zwei Historiker machen.

Mit was für Geschichten dürfen wir noch rechnen?

Es gibt auf jeden Fall Geschichten, die nicht fehlen dürfen. Die verwehrte Europapokal-Teilnahme aufgrund politischer Umstände nach dem Prager Frühling 1968 haben wir schon behandelt. Eine andere ist sicher die um den Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Rolle von Union beim Versickern von mehreren Millionen Mark bei der Entwicklung des heutigen Mellowparkgeländes oder um Jacek Menzel, der nach der Wende der erste Ausländer im Union-Team war. Wir versuchen dabei aber immer, nicht die ganze komplexe Geschichte zu erzählen, sondern Teilaspekte. Sonst müssten wir 5-stündige Sendungen machen. Wir würden also nicht die gesamte Lebensgeschichte von Reinhard „Mecky“ Lauck erzählen, sondern vielleicht nur den Aspekt, wie er nach dem letzten Spieltag 1968 zu Union wechselte, aber trotzdem wenige Tage später im Pokalfinale 1968 seinen ersten Einsatz hatte. So etwas wäre heute unmöglich.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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