Nachbarschaft
Veröffentlicht am 27.05.2019 von Thomas Loy
Alf Ator, 52, Keyboarder und Songschreiber der Hard-Rock-Band Knorkator, Buchautor und Maler, Friedrichshagen-Fan.
Die Band Knorkator, von Alf Ator 1994 mitgegründet, spielt heute bundesweit auf angesagten Rock-Festivals und füllt größere Konzertsäle. Knorkator ist in Köpenick groß geworden, damals in den 90ern gab es den Jugendclub ABC (Artur-Becker-Club) in der Hirschgartenstraße, da trafen sich die Bands aus der Gegend, probten und gaben Konzerte. 1972 hatte die DDR-Band City dort ihr erstes Konzert. 40 Jahre später musste der Jugendclub schließen, weil der Bezirk die hohen Kosten nicht mehr tragen wollte.
Wie steht es heute um die Musikszene in Köpenick – mit der Schließung des ABC ist ja 2012 ein Fixstern untergegangen.
Das kann man so sagen. In den 90ern hat man ja ein paar Strukturen aus dem Osten rübergerettet, da spielte das ABC eine große Rolle, auch das Hörnle und All-Eins. Das Hörnle macht bald zu, später auch das All-Eins. Jetzt gibt es noch das cafe köpenick, ein richtiger Punkschuppen mit Sofas, wo das Bier einen Euro kostet, da treten eher kleinere Bands auf, manchmal aus Köpenick, oft aber auch von weiter weg, auf der Durchreise vom Ruhrpott nach Polen.
Und wo seid ihr früher aufgetreten?
Im ABC und All-Eins, später auch in der Freiheit 15, da hatten wir auch mal eine Record Release Party. Inzwischen sind wir natürlich über den Bezirk hinausgewachsen, füllen die Columbiahalle in Kreuzberg. Unser Publikum besteht ja inzwischen aus ganz normalen Menschen. Aber wer hier nur ein Nischenpublikum anspricht, bekommt einfach keinen Laden voll. Köpenick ist eben doch nur ein Kaff.
Aber Ostrock läuft hier immer noch gut, oder?
Im Bezirk haben sich ja ein paar Rockgrößen aus der DDR angesiedelt, oder besser abgesiedelt, wie die Puhdys, Karat, Silly, Lift, etc.. Meist sind es nur einzelne Bandmitglieder, die sich hier irgendwann ein Häuschen gekauft haben. Oft haben Kinder dieser Bands dann ebenfalls Bands gegründet. Am bekanntesten sind wohl Bell Book & Candle. Die meisten anderen existieren nicht mehr. Der Köpenicker Rapper Romano war zumindest früher in einer Band, die zum Teil aus Kindern von Ostrockern bestand.
Warum zieht man denn als Rocker nach Köpenick?
Hier ist man schön ungestört, mit Kindern ist das perfekt. Man wird nicht überfallen, das hier ist ja nicht Berlin, also nicht, was man sich in der Welt unter Berlin vorstellt, hier ist es beschaulicher und auch ein bisschen spießig, aber trotzdem sehr angenehm. In Friedrichshagen, wo ich seit 1989 wohne, gibt es inzwischen auch gehobene Kultur, mit Weinläden und französischem Käse, das wäre in den 90ern undenkbar gewesen. Aber es gibt immer noch ein gutes Kneipenangebot, also muss niemand in seinem Einfamilienhaus versauern.
Und was macht die Band?
Ich habe gerade die gemasterten Dateien für das neue Album bekommen, das kommt im September raus, dann gehen wir wieder auf Tour, durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Vorverkäufe laufen fantastisch, wir haben alle sehr gute Laune.
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de