Nachbarschaft
Veröffentlicht am 02.09.2019 von Thomas Loy
Christian Motschke, 50, Marathonläufer aus Oberspree
Am 29. September startet wieder der größte Lauftreff der Stadt. Mehr als 40.000 Läufer werden an diesem Sonntag beim Berlin-Marathon auf die 42 km lange Strecke gehen. Für Christian Motschke ist es jedesmal ein Highlight.
Seit wann trainieren Sie für den Marathon? Den ersten Marathon bin ich 2014 in Berlin gelaufen. Zuerst war es gar nicht meine Absicht Marathons zu laufen. Die Strecke von 42km fand ich immer unrealistisch lang. Dass ich einen Marathon schaffen könnte, habe ich erst in Betracht gezogen, nachdem ich den ersten Halbmarathon geschafft hatte. Als mir dann der Startplatz für den Berlin-Marathon 2014 sicher war, habe ich mir einen Trainingsplan erstellt und nach diesem trainiert. Seitdem plane ich die Marathonvorbereitung immer ca. vier Monate vor dem Starttermin und laufe dann den Plan ab, so gut es sich einrichten lässt.
Wo laufen Sie? Meistens vor meiner „Haustür“. Die kürzeren Läufe im Birkenwäldchen in Oberspree, in der Wuhlheide und durch Adlershof. Die langen Läufe mache ich um den Müggelsee, durch die Müggelberge, Treptower Park oder an der Dahme entlang bis nach Gosen. Hauptsache viel Natur, eine abwechslungsreiche Strecke und immer mal was Neues.
Ihre persönliche Bestzeit? Meine Bestzeit habe ich bei meinem zweiten Marathon 2015 in 3:26:07 erreicht. Diese Zeit werde ich wohl nicht mehr unterbieten können. Mein Anspruch ist es, unter vier Stunden zu bleiben.
Was reizt Sie daran, sich über diese unmenschliche Distanz zu quälen? Für mich ist das keine Qual. Der Marathon ist die Belohnung für das teilweise recht anstrengende Training davor. Eine Qual war der erste Marathon. Da habe ich mir nach dem Lauf gesagt: Das machst du nie wieder. Sechs Wochen später hatte ich den Startplatz für meinen zweiten Marathon. Hinter dem ersten Marathon stand der Ehrgeiz, diese Strecke überhaupt zu schaffen. Jetzt ist der Marathon der Höhepunkt der Laufsaison.
Wann und warum haben Sie mit dem Laufen angefangen? Ich stand Weihnachten 2011 auf der Waage und war mit dem angezeigten Gewicht überhaupt nicht zufrieden. Da habe ich für das neue Jahr den Vorsatz gefasst, endlich sportlich aktiver zu werden. Als Kind trainierte ich schon viel Leichtathletik im Verein, deswegen lag es nahe es mit Laufen zu versuchen. Es gab aber auch praktische Gründe, die für das Laufen sprachen. Man braucht keinen Vertrag mit einem Fitnessstudio, kann den Sport jederzeit und an jedem Ort ausüben und bis auf regelmäßig neue Laufschuhe hat man kaum Kosten
Wie lässt sich das Laufen mit Familie und Job verbinden? Ich habe das Laufen so in mein Leben eingebaut, dass es den Alltag kaum noch stört. Ich laufe immer morgens zwischen 6 und 7 Uhr. So bin ich zum Frühstück schon zurück. Zu meinem Arbeitsplatz in Mitte schaffe ich es dann immer noch locker zwischen 9 und 10 Uhr. Am Wochenende laufe ich nur samstags. Die langen 3-Stunden-Läufe beginne ich um 6 Uhr. So bleibt immer noch genug Zeit, mich vom Lauf zu erholen und ich schaffe es sogar noch das Frühstück vorzubereiten. Der Sonntag ist tabu und gehört ganz der Familie, Freunden und meinen anderen Hobbys. Dazu gehören Motorradfahren, Gleitschirmfliegen in den Alpen und Radfahren. Meine Kinder (Sohn 20, Tochter 16) konnte ich leider nicht mit dem Laufen anstecken.
Schon mal größere Verletzungen gehabt? Davon bin ich bisher verschont geblieben. Als ich mit dem Laufen begann, hatte ich ein paar Wehwehchen. Mal tat das Knie weh, mal die Hüfte, eine Achillessehnenreizung oder die Adduktoren (also Muskeln, die Körperglieder an den Körper heranziehen, Anm. d. Red.). Nach und nach haben sich aber die Sehnen, Knorpel, Muskeln und Gelenke an die Belastung anpasst, so dass ich seit längerem keine Beschwerden mehr habe.
Hören Sie beim Laufen Musik oder genießen eher die Natur? Beim Laufen habe ich immer Kopfhörer dabei. Wenn ich an Straßen entlang laufe, höre ich lieber Musik oder Radio, um den Stadtlärm zu übertönen. Man wird auch leicht gaga, wenn man stundenlang seinen eigenen Atem und jeden Schritt hört. In der Natur mache ich die Musik aus und bleibe auch mal stehen, um die Umgebung und die Stille zu genießen und ein Foto zu machen.
Was machen Sie beruflich? Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren in einem mittelständischen IT-Unternehmen als Senior Consultant. Zur Zeit leite ich in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt die Softwareentwicklung. Dabei geht es darum, Start-ups im Gesundheitsbereich die Möglichkeit zu geben, sich mit verschiedenen deutschen Patientenakten und Versorgungs- und Forschungsplattformen zu verbinden, unter Beibehaltung der Datenhoheit der Versicherten.
Foto: privat.
Alle Informationen zum Berlin-Marathon finden Sie hier: tagesspiegel.de.
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de