Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.09.2019 von Thomas Loy

Helmut Prochnow, 75, Historiker und Imageträger für Adlershof

Das mit dem Plakat war nicht seine Idee. Christine Bellot vom Aktiven Zentrum Dörpfeldstraße habe ihn angesprochen, und nach gutem Zureden sagte Helmut Prochnow irgendwann: „Na ja, jut“. Deswegen ist er nun eines der Gesichter für die Imagekampagne „Wir Adler“ (siehe Newsletter vom 2.9.). Viele Worte mag er nicht verlieren, wenn es um seine Person geht, wichtiger sind ihm Plätze und Straßen, Gebäude und Institutionen. Helmut Prochnow ist der Heimatforscher von Adlershof, Spezialgebiet Deutsche Luftfahrtforschung der 20er und 30er Jahre. 14 Broschüren gehen inzwischen auf sein Konto, ein wichtiges Fundament für die Identität und das Selbstbewusstsein der Adlershofer. Daher macht es schon Sinn, Helmut Prochnow großflächig zu plakatieren.

Vor seiner Zeit als Hobbyhistoriker war Prochnow beim Bezirksamt beschäftigt. Was genau er da machte, ist nicht so wichtig, findet er. Zu Ostzeiten war er im VEB Spezialfahrzeugwerk Adlershof beschäftigt, zuständig unter anderem für die Betriebschronik. Das Werk gibt es heute nicht mehr, auf dem Gelände steht der Obi-Baumarkt. Und der steht da genau richtig, findet Prochnow. Baumaterialien waren früher in Adlershof ganz und gar nicht vorrätig, die mussten mühsam „mit dem Handwagen“ aus Altglienicke oder Köpenick herangeschafft werden.

Adlershof ist Prochnows Heimat, immer schon gewesen. Warum? Na, wenn man einen großen Garten hat, so 800 Quadratmeter, „da läuft keiner weg“. Darin ackert er natürlich auch weiterhin, wenn er nicht am Schreibtisch sitzt. Das mit dem Image von Adlershof, da gebe es tatsächlich noch Nachholbedarf. „Ick bin ja nun Jeschichtler“, berlinert Prochnow, „mir gefällt, wie die Friedrichshagener um ihre alten Häuser kämpfen.“ In Adlershof sei doch vieles einfach abgerissen worden, ehemalige Kolonistenhäuser zum Beispiel. Die Bewohner freuten sich, wenn ein „Schandfleck“ verschwinde – aber was danach kommt, begeistert Prochnow auch nicht unbedingt, etwa das neue Geschäftshaus gegenüber dem S-Bahnhof. „Die Miete für die Läden ist viel zu hoch.“ Die Folge: Leerstand. Kein Schandfleck, aber auch nicht gerade schön.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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