Nachbarschaft

Veröffentlicht am 04.11.2019 von Thomas Loy

Miss Sophie, 43, Event-Managerin, Bildhauerin und Foodstylistin aus Berlin-Schöneweide

Vier Tage in der Küche. Also, dies ist ein Warnhinweis. Sollten Sie „Miss Sophie’s Planet“ noch nicht besucht haben, könnten Sie ihre Chance, diesen kulinarischen Exoplanten zu erkunden, schon verpasst haben. Niemand weiß nämlich, wie lange Miss Sophie’s noch existiert. Jeden Monat kann der Planet in ein schwarzes Loch stürzen… Miss Sophie’s ist ein Gourmet-Stern, der ein oder zwei Mal im Monat aufpoppt, für ein paar Stunden Menschen zusammenführt, die sich nicht kennen, und sie in einem Mehrgängemenü verwöhnt. Das nennt sich auch Supper-Club, findet in den Privaträumen von Cornelia Kohler in Oberschöneweide statt, und ist seit ein paar Jahren ein weltweiter Trend. Nur ist Oberschöneweide eben noch nicht nicht ganz so trendig, dass sich für jedes Dinner ausreichend Gäste anmelden würden. Es ist auch nicht billig mit 70 bis 90 Euro pro Person, aber dafür sind die Speisen originell und erlesen, mit Bio-Zutaten und garantiert handgemacht von der Köchin persönlich. „Ich stehe dafür vier Tage in der Küche“, sagt Kohler.

Vier Stunden am Esstisch. Die nächsten Supper-Termine sind am 15. und 29. November, also jeweils freitags. Diesmal zum Generalthema Quitte. Mit Quittensüppchen, gefüllter Quitte, Jakobsmuschel, Ziegenkäse-Tarte, Entenbrust, Cipollini gefüllt mit Quitten-Chutney, Wildschwein, Quittensorbet, Quittenbrot, Schokoladen-Mousse – also man wird gut satt. Zu jeder Speisenfolge gibt es einen ausgesuchten Wein. Auf vier Stunden taxiert die Köchin das Event. Die zehn Teilnehmer sollen sich ja neben dem Essen noch unterhalten und kennen lernen. Es gibt auch Menüs zu Filmen wie „Alien“ oder für Heavy-Metal-Fans. Buchen kann man die Teilnahme hier: miss.sophies.de

Zehn Jahre in Oberschöneweide. Eigentlich wollte sie nie nach Berlin ziehen, aber sie brauchte ein Atelier, so kam sie vor zehn Jahren nach Oberschöneweide. Die Gegend erinnerte sie an die Datsche in Zeuthen, wo sie als Kind öfter gewesen ist, „abends saßen immer Karnickel im Sonnenuntergang“. Ursprünglich kommt sie aus der Nähe von Heilbronn, genauer: aus Brackenheim, der Geburtsstadt von Theodor Heuss. Seit zehn Jahren wohnt sie jetzt schon in Oberschöneweide und wartet auf den „Durchbruch“ des Stadtteils. Viele, die weniger Geduld hatten, „sind schon wieder weg“. Es gebe unter den Bewohnern der Innenstadt immer noch eine „Ringsperre“, also ein innere Hemmschwelle, sich über die Ringbahn hinaus zu bewegen. Mit ihrem Gourmet-Planeten hätte sie es in Mitte oder Kreuzberg sicher einfacher, auch wegen der Touristen, die nicht so aufs Geld schauen, aber jetzt ist sie eben in Schöneweide gelandet und wartet weiter auf die Rückkehr des Viertels zu alter Schönheit und Prosperität.- Text: Thomas Loy
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Dieser Text stammt aus dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Hier eine Auswahl meiner weiteren Themen ++ Allende-Brücke wird früher fertig – Jungfernfahrt schon am 22. November? +++ Grundstücksrochaden in Schmöckwitz: Kita und Ortsverein hoffen auf neue Räume +++ Versprechen soll man nicht brechen: Haus der Natur-Betreiber pocht auf Förderung +++ Alles zum Derby: Union gewinnt – der Fußball verliert +++ Alles zum 9. November: Neue Fotos aus der Wendezeit – U-Bahn-Sonderzug von Tagesspiegel und Berliner Zeitung +++ Zwei Lastenräder für Friedrichshagen +++ Ausschreibung für Kunst-Aktion „Leere Sockel“ +++ Späth’sche Baumschulen bauen Eisbahn auf +++ Meinen Tagesspiegel-Newsletter für Treptow-Köpenick gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de

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