Nachbarschaft
Veröffentlicht am 06.01.2020 von Thomas Loy

Ralf Drescher, 60, Fotograf, Kiezreporter und Zeitzeuge
Fotos für den Boulevard. Fotografiert hat Ralf Drescher schon immer, zuerst für die „BZ am Abend“, Anfang der 80er Jahre in der DDR. Wurde ja nicht schlecht bezahlt. Und weil er sein Elektronikstudium abgebrochen hatte, brauchte er Geld zum Leben. Im „Betriebsfilmstudio des Berliner Wohnungsbaukombinats“ gab es schöne Dunkelkammertechnik für Bauarbeiter, die gerne fotografierten. Und für andere, die auch gerne fotografierten, aber keine Bauarbeiter waren. Da ging er dann öfter hin, traf Filmleute von der NVA, die dem verkrachten Ex-Studenten vorschlugen, Kameraassistent im Armeefilmstudio zu werden.
Oberbootsmann mit Kamera. Nach einem Lehrgang beim Fernsehen trat er seinen Dienst an, in Berlin-Biesdorf, als Oberbootsmann der Reserve, schleppte Aufnahmegeräte und hatte eine schöne Zeit. Im Hintergrund machte die Stasi Druck, Drescher galt als politisch unzuverlässig, man drängte ihn, in die Partei einzutreten, selber für Horch und Guck zu spionieren. Drescher kündigte und stellte einen Ausreiseantrag. Der wurde natürlich abgelehnt. Damit der Ärger mit den Staatsorganen nicht Überhand nimmt, verschaffte er sich einen Job in einem Fotolabor in Köpenick.
Geschichtenerzähler. Seit 1990 arbeitet der gebürtige Brandenburger bei der „Berliner Woche“, zuständig für Treptow-Köpenick. Er fotografiert und schreibt sich durch die Ortsteile des Bezirks und engagiert sich im Heimatverein Köpenick. Wenn Drescher recherchiert, wechselt er vom Fragesteller oft zum Erzähler, er weiß inzwischen einfach zu viel. Deswegen haben sie ihn auch im Zeitzeugenportal ausgefragt. Mehr über ihn hören Sie im zeitzeugen-portal.de.
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