Nachbarschaft

Veröffentlicht am 15.02.2021 von Thomas Loy

Den Plänterwald, so richtig winterlich verschneit, können sie quasi vom Büro aus begutachten. Ihr Arbeitsplatz ist im Naturschutzamt im Rathaus Treptow. Nancy Manke und Moritz Swars sind die neuen Stadtnatur-Ranger von Treptow-Köpenick.

Rund 25 Ranger kümmern sich inzwischen um die Berliner Landschafts- und Naturschutzgebiete. Mit pandemischer Verzögerung ist das Pilotprojekt der Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) auch im Südosten angelaufen. Ranger findet man sonst nur in den großen Nationalparks, in Berlin sollen sie zwischen den Belangen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und den Erholung suchenden Menschen vermitteln.

Erkundungstouren durchs Revier. Derzeit verschaffen sich die beiden Ranger „einen Überblick“ über ihr Einsatzgebiet. Dazu müssen sie nur über die Straße in den Plänterwald gehen, einem wichtigen Landschaftsschutzgebiet, oder sich ins Auto setzen, um in die Gosener Wiesen zu fahren. Ist zwar alles verschneit, aber die Vögel lassen sich umso besser erkunden. Diverse Spechtarten haben sie schon beobachtet, Kernbeißer, Gimpel und Eisvogel, erzählt Nancy Manke. Die Wuhlheide, das Erpetal, der Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug und der Landschaftspark Johannisthal sind ihre primären Einsatzgebiete.

„Ansprachen“ zur Leinenpflicht. Allerdings könnten jederzeit „potenziell wertvolle Flächen“ hinzukommen, sagt Manke. Schließlich ist ihre Kernaufgabe, die Artenvielfalt in der Stadt zu fördern. Und gegen Übergriffe aus der zivilisierten Welt zu verteidigen. „Bürgeransprachen“ nennen das die Ranger. Eine der häufigsten Ansprachen gilt Hundehaltern, die ihre Vierbeiner gerne durch den Wald stöbern lassen. Was Ordnungsamtler mit einem Bußgeld belegen können – es gilt die Leinenpflicht -, ahnden die Ranger allenfalls mit einer freundlichen Aufforderung. Dabei liefern sie auch gleich die Erklärung mit: Stöbernde Hunde können die Winterruhe, bzw. den -schlaf der Tiere stören. Später sind frei laufende oder badende Hunde eine Gefahr für Bodenbrüter und Amphibien.

„Wir sind Mittler zwischen Bürger und Natur“, sagt Moritz Swars. Wenn sie Parks und Naturschutzgebiete kartieren und kontrollieren, sind sie immer ansprechbar. Von ihrer Aufmerksamkeit sollen auch andere Ämter profitieren, etwa das Straßen- und Grünflächenamt, wenn absterbende Bäume die Verkehrssicherheit gefährden. Die Resonanz auf den Start ihrer Tätigkeit im Bezirk sei sehr positiv, sagt Swars, bei den Naturschutzorganisationen und Behörden sowieso, aber auch bei den Bürgern.

Outdoor-Outfit mit Kamera und Fernglas. Moritz Swars, 30 Jahre alt, stammt aus Hamburg. In Lüneburg hat er Umweltwissenschaften studiert und in Sachsen eine Fortbildung zum Ranger absolviert. Seit zwei Jahren lebt er in Berlin, Wohnort Kreuzberg, und freut sich, den größeren Nachbarbezirk genauer kennenzulernen. Nancy Manke, 29, ist gebürtige Brandenburgerin, hat in Eberswalde und Bernburg Landschaftsplanung studiert und lebt derzeit in Lübben. Wer die beiden Ranger kennenlernen möchte, sollte öfter in ihren Revieren spazieren gehen. An der grünen Outdoor-Kleidung samt Ranger-Logo, Kamera und Fernglas sind sie gut erkennbar. Wer etwas Geduld hat, kann auf den Langen Tag der Stadtnatur im Juni warten, da werden alle Ranger ihre Reviere und Projekte vorstellen – es sei denn, das Coronavirus macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

+++ Das ist ein Ausschnitt aus dem Leute-Newsletter Treptow-Köpenick. Jeden Montag kostenlos erhalten: leute.tagesspiegel.de

+++ Die Themen der Woche:

  • Eisbader im Karpfenteich erfroren
  • Lockdown-Umfrage: Die Jüngeren fühlen sich niedergeschlagen
  • Portrait der neuen Stadtnatur-Ranger
  • Der Februar, TreKös neuer Schicksalsmonat
  • Pohlestraßen-Unglück: Einsturzgefahr gebannt, Bewohner kehren zurück
  • Union Berlin jetzt größter Verein der Stadt – vor Hertha BSC und Alpenverein
  • Müggelsee: Polizeihubschrauber verscheucht Schlittschuhläufer
  • Schlittenfahrer stören Totenruhe
  • Neues „Haus Strohhalm“ ist fertig
  • Fußgängerunterführung könnte Radparktunnel werden
  • Ex-Clubbetreiber wollen den Zenner aufmöbeln