Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.03.2021 von Thomas Loy

Luftfahrzeuge als Lösung für die Verkehrsprobleme in Friedrichshagen haben sie noch nicht geprüft, aber sollte es mal soweit kommen, könnte Wolfgang Plantholt seinen Kollegen vom „Arbeitskreis Mobillität Friedrichshagen“ (AMF) sicher weiterhelfen. Einen Teil seines Arbeitslebens hat der 70-Jährige im Luftraum verbracht, als Steward an Bord von Passagiermaschinen. Eine gute Zeit, sagt er im Rückblick, mit vielen Aufenthalten in Bangkok, New York oder anderen Traumzielen.

Seit zehn Jahren lebt Plantholt wieder in Berlin, von wo er einst ausgezogen war, nach Hamburg, München und Frankfurt am Main. Im „Interconti“, damals hieß es noch Hilton, hatte er nach der Schule Hotelfachmann gelernt, sich aber bald mehr dafür interessiert, selber durch die Welt zu reisen. Also heuerte er als Steward an, „das haben damals viele Leute aus der Hotellerie gemacht“. Der Luftverkehr erlebte in den 1970-er Jahren einen großen Aufschwung in Deutschland. Irgendwann haben seine Chefs ihn dann nicht mehr reisen lassen. „Ich musste Karriere machen“, sagt Plantholt. Die letzten zehn Jahre seines Berufslebens war er Pressesprecher der Air France in Frankfurt am Main.

Aber das ist alles Vergangenheit. Viel wichtiger ist Plantholt, der inzwischen Enkelkinder hat, die Zukunft. Auch die von Friedrichshagen. Zusammen mit einem Team von Ehrenamtlichen will er den Stadtteil noch lebenswerter machen, besonders für Radfahrer und Fußgänger. Der 2018 ins Leben gerufene Arbeitskreis Mobilität agiere transparent und basisdemokratisch, sagt Plantholt. Zu den Treffen im Rathaus Friedrichshagen könne jeder kommen und sich beteiligen, allerdings findet wegen der Pandemie derzeit alles per Videoschalte statt.

Die langfristigen Ziele der Verkehrsbewegten im Arbeitskreis liegen ungefähr auf der Linie der rot-rot-grünen Senatskoalition: Eine Neuorganisation des Straßenraumes zugunsten schwächerer Verkehrsteilnehmer. Grundlage für die Diskussionen ist ein Arbeitspapier für ein „Mobilitäts- und Verkehrskonzept“ (KMV). Das Ziel? „Die Schwerpunkte einer Verkehrspolitik zu definieren, die am Ende in Friedrichshagen zur Umsetzung des s.g. ‚Shared-​Space-Gedankens‘ führt. Dieser hat zum Inhalt, dass die vorhandenen Flächen intelligent und im Geiste des Miteinanders von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden können.“

Viele Autofahrer befürchten, dass sie dabei am Ende den Kürzeren ziehen. „Es geht nicht ums Auto-Bashing“, versichert dagegen Plantholt. Man sei für alle Diskussionsbeiträge offen, auch für solche, die den Ausweg aus den täglichen Staus in zusätzlichen Straßen sehen. Es gebe Vorschläge, eine Art Südost-Tangente von Köpenick bis nach Erkner zu bauen, die Kreuzung am S-Bahnhof Friedrichshagen zu einem großen Kreisverkehr umzubauen oder ein großes Parkhaus für die Besucher der Bölschestraße zu errichten. Rund ein Drittel der an der Flaniermeile parkendes Autos kämen aus dem Brandenburger Umland.

„Von heute auf morgen wird sich nichts ändern“, sagt Netzwerker Plantholt. Aber man müsse im Kleinen „schauen, was machbar ist“ und gleichzeitig das Große im Blick behalten. Das wäre für ihn ein Verkehrskonzept Südost unter Einbeziehung der Umlandgemeinden. Bislang hat die Senatsverwaltung für Verkehr dafür allerdings wenig übrig. Um die Diskussion voranzutreiben, interviewen Plantholt und seine Mitstreiter derzeit die Kandidaten der Parteien für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus.

Foto: privat

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