Nachbarschaft
Veröffentlicht am 06.09.2021 von Thomas Loy
Erst wollte sie die Welt retten, dann rettete sie Menschen in der Notaufnahme, jetzt rettet sie die Berliner Natur. Tara Rödel, 53, vom Freiwilligenzentrum Sternenfischer in Köpenick zum „Stern des Monats“ ernannt, erzählt hier mal kurz ihre Geschichte:
Erst Biologie studieren, dann zu Greenpeace. „Vor einem Jahr habe ich die Bezirksgruppe Treptow-Köpenick des Naturschutzbundes NABU neu gegründet und leite sie seitdem auch. Die Gruppe war in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft und schließlich eingeschlafen. Das wollte ich ändern, weil mir Naturschutz schon immer am Herzen lag. Deshalb habe ich nach dem Abitur ein Biologiestudium begonnen. Danach wollte ich bei Greenpeace einsteigen und die Welt retten. So der Plan.“
Als Krankenschwester in der Notaufnahme. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das Studium nicht meinen Vorstellungen entsprach und bin in den medizinischen Bereich gewechselt. Mehr als 20 Jahre habe ich als Krankenschwester in der Notaufnahme gearbeitet, seit einigen Jahren bin ich freiberuflich tätig. So kann ich meine Zeit flexibler einteilen und die NABU-Gruppe leiten. Etwa vier Stunden in der Woche gehen für ‚Verwaltungsarbeit‘ drauf, dazu kommen die zahlreichen Aktionen.“
Kröten tragen und Rehkitze retten. „Beim Neustart haben wir erst mal sondiert, welche Probleme es in unserem grünen Bezirk gibt und welche Interessen bei den Mitgliedern. So sind einige Arbeitsgruppen entstanden: die AGs Amphibienschutz, Gewässerschutz, Nistkästen, Blühwiesen, Baum, Müll. Unsere monatlichen Treffen fanden coronabedingt bislang nur per Zoom statt, nur bei den Aktionen haben wir uns vor Ort getroffen. So im Frühjahr, als wir den Krötenzaun zwischen dem S-Bahnhof Rahnsdorf und dem Müggelseedamm repariert und die Kröten über die Straße getragen haben. Dann beim Anbringen von Nistkästen und beim Müll sammeln. Und im Sommer, als wir 80 Rehkitze aus den Feldern um Bernau gerettet haben. Da waren wir sechs Wochen lang jede zweite Nacht unterwegs. Nachts deshalb, weil der Boden kühl sein muss, damit die Drohnen mit der Wärmebildkamera die Kitze finden.“
Medizin gegen Ohnmacht und Hilflosigkeit. „Mir geben diese Aktionen das gute Gefühl, wenn schon nicht die Welt, dann wenigstens ein Stück Umwelt zu retten. Das hilft gegen die Ohnmacht und Hilflosigkeit, die man angesichts der vielen Krisen empfindet. Und ich treffe Menschen, die das gleiche wollen und sich ebenso engagieren.“
Die NABU-Gruppe TreKö beteiligt sich am diesjährigen Langen Tag der Stadtnatur mit einer Aufräumaktion. Am Samstag, 18. September, wollen die Aktiven zwischen 11 und 18 Uhr am Spreetunnel in Friedrichshagen und am Biergarten Rübezahl Müll einsammeln: Helfer sind willkommen. Die nötige Ausrüstung zum Müllsammeln und -entsorgen wird gestellt.
Text: Claudia Berlin, Foto: Reginald Gramatté
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de