Nachbarschaft
Veröffentlicht am 02.10.2023 von Simone Jacobius
Anke Skopec (Mitte) ist in der vergangenen Woche zur Unternehmerin des Jahres in der Kategorie Kleinstunternehmen gewählt worden.
Das vor 13 Jahren gegründete Berliner Institut für Innovationsforschung (BIFI) in Rahnsdorf beschäftigt acht Mitarbeitende. „Wir sind ein Team von Psychologen, die neue Geschäftsmodelle überprüfen“, sagt Anke Skopec. Konkret heißt das: Ist die Idee gut, deckt sie die potenziellen Bedürfnisse der Kunden ab? Über den Preis, den sie am Donnerstag von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) überreicht bekam, hat sie sich sehr gefreut.
Durchstarter. Anke Skopec war erst 25 Jahre alt, als sie mit ein paar älteren Kollegen die Idee für die Firma entwickelte. „Ich hatte schon in der Marktforschung gearbeitet und für mich beschlossen, dass ich die Wahrheit ermitteln und nicht vom Kunden bestellte Antworten liefern will”, erklärt sie ihre Motivation. Anfangs hatten zwei Kollegen die Geschäftsführung inne, nach zwei Jahren schon hat Anke Skopec diese übernommen und parallel dazu ihre Doktorarbeit geschrieben. Seit Mai 2022 gehört das Unternehmen in Rahnsdorf zu 100 Prozent ihr, ihre ursprünglichen Kollegen und Geschäftsführer sind ausgeschieden.
Zweigleisig. Die 38-Jährige hat parallel Psychologie und Wirtschaft studiert, in beiden Fächern ihren Bachelor gemacht. „Ich wollte schon immer Psychologie studieren. Aber jemand aus meiner Familie sagte damals, das sei doch Quacksalberei. Also habe ich auch noch Wirtschaft studiert, was mich auch sehr interessierte. Das Fach Wirtschaftspsychologie gab es damals noch nicht.“ Ihren Master und den Doktor hat sie dann in Psychologie gemacht – jeweils mit Wirtschaftsbezug. Schon an der Uni reifte die Idee zu ihrer Firmengründung. „Ich habe quasi meinen eigenen Traumjob geschaffen“, sagt sie heute rückblickend.
Umzug. Ursprünglich war die Firma in Prenzlauer Berg beheimatet. Doch da sie irgendwann alleinerziehend mit drei Kindern Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen musste, zog die Firma schließlich nach Rahnsdorf um. Dorthin, wo sie aufgewachsen ist und wo sie sich auskennt. Außerdem ist es dann nicht mehr weit nach Rüdersdorf, wo sie lebt und nach Woltersdorf, wo Schule und Kita sind. „Die Kollegen stöhnen zwar manchmal über den weiten Weg. Aber wenn wir dann gemütlich zum Feierabendbier in die Borkenbude gehen oder ein Meeting im Strandbad abhalten, finden sie das schon cool“, erzählt sie schmunzelnd. Ihr Sommerfest hat die Firma auf einem Hausboot auf den Köpenicker Gewässern gefeiert.
Engpass. Wie viele Unternehmen sucht auch BIFI neue Mitarbeiter. „Von den derzeit acht Mitarbeitern sind fünf Psychologen. Wenn jemand bei uns arbeiten möchte, bringen wir ihm aber auch gerne alles bei, was er oder sie wissen muss“, sagt Anke Skopec. Auch studienbegleitende Praktika bietet die Firma an. „Es wäre toll, wenn sich jemand aus unserem Bezirk bewerben würde“, sagt die Chefin.
Aufgabe. Doch was genau untersucht BIFI eigentlich? Zum Beispiel eine Neuheit der Firma Hans Grohe, sonst bekannt für Armaturen. „Die haben einen speziellen Duschkopf für eine Hundedusche auf den Markt gebracht“, erzählt Skopec. „Wir begleiten die Produktentwicklung psychologisch, damit sie den Bedürfnissen angepasst werden kann.“ Die Hundedusche verkaufe sich vor allem auf dem US-Markt. Zur Begleitung gehört auch eine Testphase. Ein anderes Projekt sei „The blood”, bekannt aus der Höhle der Löwen. Menstruationsblut wird dabei auf Vitalstoffe analysiert und spart den Gang zum Arzt um Blut abnehmen zu lassen. Und BIFI liefert Antworten auf die Fragen der Produktschaffenden: Würde so etwas im Markt bestehen und angenommen werden?