Nachbarschaft

Veröffentlicht am 18.03.2024 von Julia Schmitz

Fragt man Enrico Kühl, wo und wie er sich ehrenamtlich engagiert, muss man ein wenig Zeit mitbringen: „Den Kiez mitgestalten zu können, ist für mich eine sehr große Ehre“ sagt der Berliner, der seit fast dreißig Jahren in Schöneweide lebt. Als Ausgleich zu seiner Arbeit hilft er in seiner Freizeit gerne dort mit, wo Not am Mann ist – und da gibt es einige Bereiche.

Zum Beispiel die regelmäßigen „Clean ups“ im Bezirk, bei dem sich Freiwillige aller Altersgruppen mit Handschuhen und Mülltüten bepackt aufmachen, ihren Kiez von Abfall zu befreien. Seit der Gründung der Gruppe „Clean up Trepnick“ von Diana Franz ist er als Kiezpate für Schöneweide aktiv und koordiniert die Einsätze. Schon vorher hatte er beim „Schöneweider Frühjahrsputz“, der damals noch von den Pfadfindern organisiert wurde, zur Müllzange gegriffen.

Bei unserem Gespräch sind wir uns einig, dass Schöneweide ein besonders lebenswerter Stadtteil ist. In seinem Mittelpunkt liegt die Spree und er ist geprägt ist von den alten Industriearealen mit ihrem ganz speziellen architektonischen Charme. Dass viele davon, wie zum Beispiel der Peter-Behrens-Bau in der Wilhelminenhofstraße, zu einem neuen Stadtquartier umgebaut werden, sieht Enrico Kühl positiv. In der Zukunft könnten dort neue Arbeitsplätze entstehen, die gastronomischen Angebote brächten Leben in den Kiez, meint er.

Rund um die Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenlebens dreht sich auch die Arbeit des Schönevibes Kollektivs, zu dem Kühl gehört. Seit Herbst 2023 ist er dort stellvertretender Vorsitzender und ganz nah am Puls des Stadtteils. In der Facebook-Gruppe „Schöneweider Neueste Nachrichten“, die er betreibt, informiert er außerdem regelmäßig über Neuigkeiten und lädt zum Austausch mit den Anwohnerinnen und Anwohnern ein.

Als junger Mann wohnte er in Friedrichshain, wo er heute noch arbeitet, und fand in den 1990-er Jahren eine sanierte und günstige Wohnung in Schöneweide. Er heiratete, gründete eine Familie und zog ein paar Häuser weiter. Während der Schulzeit seiner Tochter fand Enrico Kühl Gefallen am Engagement im Förderverein.

Als sie vor ein paar Jahren Jugendweihe feierte, half er bei der Organisation des Festes – und blieb anschließend als ehrenamtlicher Helfer dabei. Rund 2300 Jugendliche zelebrieren jährlich den Übergang von der Kindheit in die Welt der Erwachsenen. Längst sei das Fest frei von Ideologie, der Schwerpunkt liege auf verschiedenen Angeboten wie dem Besuch des Bundestags, der KZ Gedenkstätte in Sachsenhausen oder einem Erste-Hilfe-Kurs.

„Für mich ist Schöneweide sehr vielfältig und lebenswert. Es ist meine Heimat“, sagt Enrico Kühl. Wegziehen möchte er nicht mehr – „außer vielleicht an die Nordsee, wenn ich in Rente bin. Das wäre schon schön“.

  • Am 6. April findet der 15. Schöneweider Frühjahrsputz in der Wuhlheide statt. Wer mitmachen möchte, findet alle Informationen hier
  • Foto: privat
  • Wer soll Ihrer Meinung nach an dieser Stelle unbedingt vorgestellt werden? Schicken Sie mir Ihre Vorschläge an julia.schmitz@extern.tagesspiegel.de